Der Vampir von Düsseldorf

Erschienen: Juni 2021

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Ein dunkles Kapitel in der Zeitgeschichte der Landeshauptstadt Düsseldorf. Nah am Geschehen, nah am Wahnsinn, nah am Blut.

Zeichnung

Holger Klein spielt gelungen mit Schatten und bedeckt die Stadt mit einem finsteren Schleier.

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Marcel Scharrenbroich
Stadt in Angst

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2021

Eine Bestie geht um

Er tötet scheinbar wahllos. Ohne ein spezielles Beuteschema, rein des Tötens willen. Nachts macht er sich auf die Jagd. Unscheinbar. Mischt sich unters Volk. Ihm steht nicht „Mörder“ ins Gesicht geschrieben. Augenscheinlich ein Mann aus der Mitte der Gesellschaft, gut gekleidet und höflich. Doch hinter der Fassade schlummern unmenschliche Triebe. Triebe, die sich immer weniger kontrollieren lassen. Im Schutz der Dunkelheit entfesselt er das pure Böse, gibt seiner Gier nach Blut hemmungslos nach. Oft unbedacht, fast schon nachlässig. So ist es diesem Umstand zu verdanken, dass nicht noch mehr Frauen, Kinder, Männer und sogar Tiere seinem Wahn zum Opfer fielen.

So bald die Dunkelheit hereinbricht, zittert sich die Stadt Düsseldorf in den unruhigen Schlaf. Auguste Kürten ist auf einem Auge blind. Erkennt nicht, dass sie in blinder Liebe zu ihrem Mann neben einer triebgesteuerten Bestie in Menschengestalt nächtigt. Will es vielleicht sogar gar nicht erkennen. Wenn sie zur Nachtschicht aufbricht, tut er es ihr gleich. Bewaffnet mit Schere, Hammer oder Dolch durchstreift er die Gassen. Durstig. Gierend nach dem Moment, der ihm den Höhepunkt bringt…

(K)eine Horror-Geschichte

Innerhalb nur weniger Wochen brachte Peter Kürten (1883 – 1931) acht Menschen um. Eine Mordserie, die nicht nur das Rheinland in Angst und Schrecken versetzte. Und auch nicht die ersten Taten des „Vampirs von Düsseldorf“. Diesen Beinamen bekam er erst, als bekannt wurde, dass er das Blut seiner Opfer trank. Schon im frühen Kindesalter wurde Kürten regelmäßig auffällig. Aufgewachsen in einem katastrophalen Elternhaus, geprägt von Gewalt und Missbrauch, geriet er ungewöhnlich früh mit dem Gesetz in Konflikt.

In Mühlheim an der Ruhr geboren, wuchs Kürten als eines von dreizehn Geschwistern auf. Mit nur fünf Jahren ertränkte er Hundewelpen und verletzte weitere Tiere schwer. Er behauptete später sogar, dass er im jungen Alter bereits zwei Kinder vom Rheinufer ins Wasser stieß, woraufhin diese den Tod fanden. Ein paar Jahre nachdem die Familie 1894 nach Düsseldorf zog, begann Peter Kürten in der Fabrik zu arbeiten, in der bereits sein Vater beschäftigt war, der weiterhin seine Familie misshandelte. Körperliche Züchtigung stand nicht nur in der Schule oder zuhause auf der Tagesordnung, sondern wurde auch auf der Arbeitsstelle vollzogen.

1899 machte Kürten das erste Mal Bekanntschaft mit dem Zuchthaus. Dort saß er immer wieder wegen verschiedener Delikte ein. Unterschlagung, Einbruch, Bedrohung, Diebstahl, Zechprellerei bis hin zur Brandstiftung. Seine Beziehung mit einer älteren Frau, deren Tochter mit 16 Jahren im gleichen Alter wie Kürten war, festigte seine sexuellen Vorlieben. Im beidseitigen Einverständnis kam es zu gewalttätigen Handlungen, wie Schlagen und Würgen. Im Laufe der folgenden Jahre häuften sich die Haftstrafen.

Im Mai 1913 kam es zum ersten Mord, der Peter Kürten eindeutig nachgewiesen wurde. Er schlich sich in das Schlafzimmer einer Neunjährigen, deren Eltern unten im Haus einen Gasthof betrieben. Er schnitt dem Mädchen die Kehle durch und entkam unbemerkt. Er hinterließ jedoch ein Blut durchtränktes Taschentuch mit seinen Initialen: P. K. Trotzdem fiel der Verdacht nicht auf ihn, sondern zuerst auf den Vater, dann den Onkel des getöteten Mädchens. In den Jahren darauf fiel Kürten immer wieder wegen Delikten auf, die sich wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf ziehen: Tierquälerei, Diebstähle, Meuterei, tätliche Angriffe, Brandstiftungen, Bedrohungen, Nötigungen und Beleidigungen.

Erst 1929, da war er bereits seit sechs Jahren mit Auguste Scharf verheiratet, die ihrerseits bereits wegen Totschlags vorbestraft war, begann Peter Kürten mit einer beispiellosen Mordserie, die erst am 24. Mai 1930 ihr Ende fand.

Finsternis

So düster, wie die wahre Geschichte, sind auch die Illustrationen von Holger Klein („Blutspur“, „Paradies“, „Wolkes Wahn“). Detailliert, gestochen scharf und von Schatten durchtränkt. Durchaus passend, denn alles andere wäre ebenso unangebracht, wie eine Verharmlosung der Taten des Serienmörders. Autor Michael Mikolajczak („Ratten“, „Sandmann“, „Sumi“) gelingt es, den erschütternden Fall um den „Vampir von Düsseldorf“ trotz aller Abscheulichkeiten menschlich nachzuerzählen… indem er Peter Kürten zum Erzähler macht. Dies baut eine Nähe zum Leser auf, die schon fast Angst macht. Wir begleiten Kürten hautnah bei seinen nächtlichen Zügen durch die Straßen der Stadt, stets im Bewusstsein, dass er nur auf der rastlosen Suche nach neuen Opfern ist. Eigentlich möchte man sich so weit wie möglich von diesem Individuum entfernen, klebt aber an seinem Schatten. Lauscht seinen Gedanken. Seinen Trieben. Seinem… Durst.

Dies ist keine Gutenacht-Geschichte, kein Grusel-Märchen oder ähnliches. Es ist ein bodenloser Abstieg in unmenschliche Tiefen. So farblos, wie Kleins bestechende Bilder. So eiskalt, wie ein Blick in die Augen des Monsters, das vor rund neunzig Jahren eine ganze Stadt terrorisierte und die Schuld stets von sich abwälzte.

Fazit:

Der wahre Fall des Serienmörders Peter Kürten in eindringlichen Bildern. Näher kann man einem blutrünstigen Monster aus sicherer Entfernung nicht kommen. Dafür sorgt Autor Michael Mikolajczak, der uns den „Vampir von Düsseldorf“ quasi Auge in Auge gegenüberstellt und uns zu Augen- und Ohrenzeugen dessen kranker Psyche macht.

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