Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Tolle Adaption mit viel Spannung. Verstrickte Einzelfälle bilden ein großes kriminelles Gesamtkonstrukt. Das wirkt stellenweise etwas unglaubwürdig.

Zeichnung

Ansprechende und lockere Zeichnungen unterstreichen die düstere Atmosphäre. Arne Jysch zeigt wie viel Farbe in Schwarz Weiß steckt.

Leser-Wertung

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Niklas Ellersiek
Als Humphrey Bogart Berlin besuchte

Comic-Rezension von Niklas Ellersiek Okt 2017

Eine profunde Zeitreise in das wilde Berlin der 20er Jahre:Arne Jyschs Comic-Adaption von Volker Kutschers Roman „Der nasse Fisch“ öffnet die düsteren Türen in eine vergangene Zeit.

Das Berlin im Jahre 1929 ist vielschichtig. Politische und gesellschaftliche Unruhen verwandeln die Stadt in ein Pulverfass. Die Weimarer Republik geht auf ihr Ende zu und die rechten Gruppierungen kriegen immer mehr Zuwachs. Hinter verschlossenen Türen pulsiert das lustvolle Leben. Inmitten dieser Wirren muss sich der, frisch aus Köln zugezogene,  Kommissar Gereon Rath behaupten.

Eigentlich will dieser sein altes, kaputtes Leben hinter sich lassen und in der berühmten Berliner Mordkommission arbeiten. Da dort aber keine Stelle für ihn frei ist, muss er sich erst einmal mit einer Beschäftigung bei der Sitte zufrieden geben. Damit will er sich aber nicht abfinden und beginnt privat in einem Mordfall zu ermitteln. Gereon will sich dadurch einen Platz in den Reihen der legendären Mordermittler sichern.  Als er tiefer und tiefer in die Berliner Unterwelt eintaucht, gerät er plötzlich selbst in die Schusslinie krimineller Machenschaften. Doch zum Aufgeben ist es viel zu spät. Denn auch Gereon handelt nicht immer nach dem Gesetz um seine Ziele zu erreichen. Das wissen auch seine Feinde. Die Lage spitzt sich zu und immer mehr Leute scheinen gegen ihn zu arbeiten. Wem kann er jetzt noch trauen?

Gekonnt inszeniert

Arne Jysch versteht sein Handwerk. Er erschafft ein düsteres, dreckiges Berlin, das sich trotz aller Widrigkeiten  in seiner Lebensfreude nicht unterkriegen lässt. Gekonnt inszeniert er seine Schauplätze in Schwarz Weiß. Die Einflüsse des Film Noir sind dabei natürlich unverkennbar. Knallharte Kerle in, vom Regen durchtränkten, Trenchcoats findet man hier genauso wie Zigarettenqualm und starke, verruchte Frauen. Durch einen gelungenen Bildaufbau und Lichtinszenierung, wirkt das Gesamtkonstrukt sehr filmisch. Das ist sicherlich auch Arne Jyschs Arbeit als Storyboard Artist zu verdanken. Die lockere Linienführung erinnert sehr stark an Comics aus den 40er Jahren und fügt sich damit perfekt in das Film Noir Genre. So führt auch das Lettering und die Typografie zu einem harmonischen Gesamtbild.

Herauszuheben ist auch, wie detailgetreu Jysch arbeitet. Dieses Werk ist nicht nur auf der inhaltlichen Ebene ein Fenster in die Vergangenheit. Jysch bebildert Kutschers Roman so authentisch wie nur eben möglich. Mode, Reklame und im zweiten Weltkrieg zerstörte Architektur werden hier zu neuem Leben erweckt.

Aufgrund des dargestellten Zeitgeschehens kann diese Garphic Novel als Genreübergreifend eingeordnet werden. So finden sich neben historischen Inhalten auch solche aus Action- und Kriminalgeschichten wieder.

Der Leser lernt ein fast vergessenes Berlin kennen

Gereon Rath führt den Leser im Laufe dieser Geschichte an die unterschiedlichsten Orte eines fast vergessenen Berlins. Von edlen Tanzlokalen mit Big Band bis in die frivolen Gangsterhöhlen des Untergrunds. Seine Route ist gespickt mit Gewalt, Drogen und Sex. Wo auch immer die Reise hingeht, es bleibt spannend.

Nicht umsonst wurde aus dem Roman ein Comic und nun auch die Serie „Babylon Berlin“ die seit Oktober 2017 im Pay-TV zu sehen ist und ebenfalls die Fälle des Gereon Rath thematisiert. Ende 2018 wird diese Krimiserie auch im Free-TV  ausgestrahlt. Mit Sicherheit wird sich die eine oder andere Szene aus dem Comic auch in der Serie wieder finden.

Ganz ohne blaue Augen kommt jedoch auch dieses Buch nicht davon. Der Hauptcharakter wirkt stellenweise etwas flach. Es wird zwar versucht diesem durch ein psychisches Trauma etwas mehr Tiefe zu geben, doch reicht das nicht immer aus. Auch wirken die Zufälle, die in diesem Fall zusammen spielen und schließlich zur Aufklärung führen, oft an den Haaren herbei gezogen und sehr unwahrscheinlich. Dabei bleibt jedoch zu bedenken, dass Volker Kutschers Roman über 500 Seiten hat und das Werk von Arne Jysch um die 200. Es steht also außer Frage, dass gewisse Inhalte, welche vielleicht mehr vom Charakter und von der Geschichte offenbart hätten, auf der Strecke bleiben müssen.

Fazit

Im Ganzen betrachtet ist „Der nasse Fisch“ eine lohnenswerte und spannende Lektüre, die sicherlich nicht nur Comicfans begeistert. Hoffen wir, dass es ein weiterer Fall von Gereon Rath in die Comic Panels schafft. In den dunklen Gassen Berlins versteckt sich bestimmt noch mehr Stoff. Übrigens ist der Ausdruck „nasser Fisch“ Polizeijargon und steht für einen ungeklärten Mordfall. Was das wohl zu bedeuten hat?

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