Text:   Zeichner: Ryan Kelly

Der Adept des Assassinen: Die Gabe der Könige - Band 1

Der Adept des Assassinen: Die Gabe der Könige - Band 1
Der Adept des Assassinen: Die Gabe der Könige - Band 1
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Marcel Scharrenbroich
8101

Comic-Couch Rezension vonOkt 2025

Story

Eine spannende Reise voller Intrigen, die den jungen Protagonisten auf Größeres vorbereitet. Klasse umgesetzt.

Zeichnung

Solide Zeichnungen, die zwar nicht sonderlich herausstechen, dafür aber gekonnt koloriert sind. Ein deutlicher Atmosphäre-Gewinn.

Die Weitseher-Saga in neuem Gewand

Du… du… du BASTARD!

Heutzutage eine gern genutzte Begrüßung auf deutschen Schulhöfen, möchte man so gerufen allerdings nicht dauerhaft durchs Leben gehen. Nicht heute, auch nicht gestern oder vorgestern… fragt mal Jon Snow. Aber „Bastard“ ist nun mal seit dem finstersten Mittelalter die Bezeichnung für ein uneheliches Kind aus Adelskreisen. Hatte der feine Herr König mal aushäusig gebrettert - ta-daaaa! -, stand gute neun Monate später der kleine Bastard auf der Matte. Nicht selten wurde er dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion dem Urheber vor die Tür geschoben. Im Falle des Jungen, der in seinem Leben bislang nur „Junge“ gerufen wurde, sind aber ganze sechs Jahre ins Land gezogen, bis der liebende Großvater den Burschen mit einem herzigen „Hier, bitteschön“ an der Pforte überreicht. Empfänger ist der abwesende Prinz Chivalric, Sohn des Königs der Sechs Provinzen. Leugnen lässt sich die adelige Herkunft nur schwer, denn jeder am Hofe versichert, dass er seinem ihn unbekannten Vater wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Da „Junge“ sowieso schon im Durchreich-Modus ist, wird er vom netten Pförtner gleich mal zu Prinz Veritas, dem Bruder seines offensichtlichen Vaters, gebracht, der ihn dann wiederum an Burrich weiterreicht, welcher sich sonst um Chivalrics Tiere kümmert. Zwischen Pferden, Falken und Hunden kommt Fitz, wie Burrich den Neuankömmling kurzerhand tauft, auch erstmal unter. Der Stall soll jedoch nicht seine letzte Station sein.

Als Fitz nach Bocksburg gebracht wird, hat sein Auftauchen bereits weitreichende Früchte getragen. Prinz Chivalric übernahm die Verantwortung für seinen Fehltritt und verzichtete auf die Thronfolge. Bei Fitz‘ Eintreffen hat sein Vater sich schon ins Exil begeben, was die Thronfolge ordentlich durcheinanderwirbelt. Noch immer unter den Fittichen von Burrich, fällt es Fitz schwer, in den höheren Kreisen anzukommen. Deshalb freundet er sich mit einigen Straßenkindern an, von denen er akzeptiert wird… egal, ob Bastard oder nicht. Das wird von Veritas, der nun zum neuen König-zur-Rechten ausgerufen wurde, äußerst argwöhnisch beäugt. Nicht nur deshalb, weil es sich für einen Spross von königlichem Geblüt nicht ziemt, sich mit dem Pöbel abzugeben, sondern weil er in Fitz einen geeigneten Spielball sieht. Einen Spielball für politische und diplomatische Geplänkel. Einen ergebenen Diener des Hauses, der loyal die Ahnenreihe der Weitseher vertritt. Erst recht, weil königlich Geborene nicht selten eine besondere Gabe in sich tragen. Die Alte Macht. Eine Macht, die in Fitz längst erwacht ist… und die er noch nicht kontrollieren kann.

Veröffentlichungs-Wirrwarr

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Fitz. Eine rückblickende Chronik von Ereignissen, beginnend damit, wie er ungewollt in das Herrschergeschlecht der Weitseher eintritt. Basierend auf der Roman-Trilogie von Robin Hobb (eigentlich Margaret Astrid Lindholm Ogden), die unter diesem Pseudonym ihr gefeiertes Fantasy-Debüt gab, befinden wir uns mit „Der Adept des Assassinen“ noch am Beginn einer langen Reise, die im Auftakt mit ihrem Coming-of-Age-Charakter und der behutsamen Einführung in die epochale Welt der Sechs Provinzen glänzt.

1999 in Deutschland erstmals unter diesem Titel von LÜBBE als Roman herausgebracht, folgten 1999 und 2000 die beiden Bücher „Des Königs Meuchelmörder“ und „Die Magie des Assassinen“, was den „Weitseher-Zyklus“ vorerst vervollständigte. Als „Die Weitseher-Trilogie“ (bestehend aus „Der Weitseher“, „Der Schattenbote“ und „Nachtmagier“) veröffentlichte zunächst der HEYNE Verlag zwischen 2009 und 2010 eine Neuauflage, der wiederum „Die Chronik der Weitseher“ („Die Gabe der Könige“, „Der Bruder des Wolfs“, „Der Erbe der Schatten“) von PENHALIGON im Jahr 2017 folgte. Ebenso verhielt es sich mit weiteren Trilogien bzw. Chroniken, die allesamt in Robin Hobbs „The Realm of the Elderlings“ angesiedelt sind: „Die Zauberschiffe“ / „Die Seelenschiff-Händler“, „Die zweiten Chroniken von Fitz, dem Weitseher“ / „Das Erbe der Weitseher“, die unvollständige „Regenwildnis-Saga“ / die hingegen vollständigen „Die Regenwildnis-Chroniken“ sowie „Das Kind des Weitsehers“, welches 2019 als Trilogie ausschließlich bei PENHALIGON das Licht der Welt erblickte. Da fällt es nicht gerade leicht, den Überblick zu behalten.

Nun bietet sich der Comic als Einstiegspunkt perfekt an, denn die US-Autorin Jody Houser („Harley Quinn and Poison Ivy“, „Doctor Who“, „Stranger Things“ sowie diverse „Star Wars“-Mini-Serien) schafft es sehr gut, die seitenstarke Vorlage ins Comic-Medium zu transportieren. Im amerikanischen Original, veröffentlicht in sechs Einzelheften von DARK HORSE, ging im Sommer 2025 erst das letzte Kapitel „Assassin's Apprentice III“ über die Bühne. Bleibt zum einen zu hoffen, dass der SKINLESS CROW Verlag schnell mit weiteren Übersetzungen nachlegt, und zum anderen, dass „Der Adept des Assassinen“ nicht die einzige Comic-Umsetzung von Robin Hobbs Werken bleiben wird.

Licht und Schatten

An den Zeichnungen von Ryan Kelly („Northlanders“, „Dead Boy Detectives“, „Stranger Things: Into the Fire“) reibe ich mich hingegen etwas. Sie sind keineswegs schlecht, stechen aber auch nicht sonderlich heraus, wenn man regelmäßig US-Comics konsumiert. Recht clean getuscht, fehlt mir ein wenig das Raue, welches das mittelalterliche Fantasy-Setting viel besser hätte charakerisieren können. Ein kleiner Wehrmutstropfen, den die erdigen, zum Teil warmen Farben von Jordie Bellaire („Batman“, „Absolute Wonder Woman“, „The City Beneath Her Feet“) aber gut wettmachen. Ein Sketchbook des Zeichners sowie ein kleiner Teaser auf den Folgeband finden sich im Anhang des Hardcover-Bandes.

Fazit:

Man muss die berühmte Romanvorlage nicht kennen, um sich in Robin Hobbs Welt zurechtzufinden. Die Comic-Umsetzung ist extrem einsteigerfreundlich und beginnt dort, wo sie beginnen soll: ganz am Anfang. Und ich freue mich auf die weitere Reise mit Fitz, der sehr viel Identifikationspotential bietet und in dessen Gefühlswelt wir Leser uns gut hineinversetzen können… der kleine Bastard.

Der Adept des Assassinen: Die Gabe der Könige - Band 1

Robin Hobb, Jody Houser, Ryan Kelly, Skinless Crow

Der Adept des Assassinen: Die Gabe der Könige - Band 1

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