Das verlorene Paradies: Gesamtausgabe (Bd. 1-4)

Das verlorene Paradies: Gesamtausgabe (Bd. 1-4)
Das verlorene Paradies: Gesamtausgabe (Bd. 1-4)
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Marcel Scharrenbroich
8

Comic-Couch Rezension vonMär 2022

Story

Gut vs. Böse geht immer. Gab es schon in der Bibel, begleitet uns ausnahmslos bei MARVEL & DC, bekommen wir in dieser Gesamtausgabe zur Genüge und sehen wir in Dauerschleife im aktuellen Tagesgeschehen… allerdings tut dieser Comic nicht so weh, wie die Realität.

Zeichnung

Trotz einiger Makel sehen die konkurrierenden Welten (mit unserer in der Mitte) phantastisch aus. Gemessen am optischen Bombast, lächelt man so manche „Fratze“ einfach weg.

Himmel & Hölle

Unsterbliche Liebe

Für manche mag sich die Pforte zur Hölle öffnen, wenn er an einem Montagmorgen durch die Bürotür schreitet, andere wiederum erwarten sie, wenn sie mit zitternder Hand den Schlüssel im Türschloss herumdrehen, nachdem der Abend mit den Kumpels mal wieder etwas eskaliert ist. Doch lasst Euch gesagt sein, die WAHRE Hölle existiert wirklich… und sie ist viel näher, als man denken mag.

Lange Zeit ist vergangen, seit die unzähligen Armeen von Licht und Finsternis aufeinandertrafen. Sie lieferten sich einen erbitterten Kampf, an dessen Ende die Pforten zur Hölle verschlossen werden konnten. Seither bewachen Engel diese Passagen, um den Zugang in unsere Welt und das Paradies zu verhindern. Gabriel ist einer von ihnen. Und er lebt wie einer von uns… mitten unter uns. Seine Aufgabe ist es, das Portal in einer Pariser Metro-Station vor unerlaubten Eindringlingen zu schützen. So weit, so gut… doch eines Abends sieht Gabriel einen Jungen, der sich unerlaubterweise auf den unterirdischen Gleisen herumtreibt. Er wagt sich gefährlich nah an die Grenze, überschreitet sie sogar, bevor Gabriel ihn sicher an die Oberfläche bringen kann. Der Junge, Julien ist sein Name, behauptet, dass Stimmen in seinem Kopf zu ihm gesprochen hätten. Sie lockten ihn in die Metro-Station. Um Juliens Sicherheit besorgt, bringt Gabriel den Burschen nach Hause. Und damit hätte sein Job für diese Nacht eigentlich erledigt sein können…, wenn er in dem U-Bahn-Tunnel nicht etwas gesehen hätte. Oder besser gesagt, irgendjemanden.

Gabriel erblickte dort unten Anya… seine große Liebe. Ein gefallener Engel, der nach Verrat und Tod nun im Dienste der Unterwelt steht. Doch Gabriel hat sie noch nicht aufgegeben. Er ist bereit für sie zu kämpfen. Selbst wenn er dafür in die Hölle hinabsteigen muss. Nachdem er Julien in die Obhut seiner Eltern entlassen wollte, musste allerdings eine improvisierte Planänderung herhalten. Statt einer liebenden Familie warteten bissige Höllenhunde auf den Jungen, weshalb Gabriel ihn kurzerhand in einen sicheren Unterschlupf brachte. Dort wollte sich der Engel Seraph des Jungen annehmen, während Gabriel in die dunklen Tiefen hinabstieg. Doch Julien weigerte sich, Seraph zu folgen. Er traute ihm nicht und er sprang Gabriel hinterher in die Finsternis.

Dort sind sie nun… in der Hölle. Noch ahnt der Engel nicht, dass das ungute Gefühl des Jungen nicht von Ungefähr kam. Und während er fieberhaft nach seiner Anya sucht, ahnt er ebenfalls nicht, wie wichtig Julien für den bevorstehenden Krieg sein wird…

Licht & Schatten

Es gibt eine Menge Dinge, die man an „Das verlorene Paradies“ positiv hervorheben kann. Die epische Story beispielsweise, die sich in immer höhere Sphären schwingt und in einem imposanten Showdown endet. Die beeindruckenden Bilder, die mit tollen Details auftrumpfen und den epischen Kampf zwischen Engeln und Dämonen unglaublich wuchtig und brachial erscheinen lassen. Oder die grandiose Kolorierung, bei der ordentlich was fürs Auge geboten wird. Alles Pluspunkte, die sich nicht von der Hand weisen lassen und für diese ordentliche Gesamtausgabe (alle vier zuvor einzeln erschienenen Alben sind enthalten) sprechen.

Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte. So ist mir zum Beispiel der Einstieg viel zu rasant. Die Tatsache, dass Engel Gabriel mit einem Jungen, den er gerade mal flüchtig kennt, über seine überirdische Aufgabe spricht, als wäre es das Normalste der Welt, macht dann schon etwas stutzig. Noch viel skurriler erschien mir, dass der gute Julien nicht mal überrascht reagierte! Schon klar, die Jugend von heute kann seit der Erfindung von TikTok nix mehr schocken… aber Dämonen und Engel? Mitten in Paris? Wäre es jetzt das Ruhrgebiet, okay… verständlich (Ihr müsstet mal unsere Ghule sehen…), aber doch nicht in der Stadt der Liebe, ich bitte Euch! Naja, machste nix. Solche Momente gibt es in „Das verlorene Paradies“ leider hier und da. Bei aller Schönheit der Bilder, muss ich aber noch auf so manches Mimik-Defizit eingehen. Vor allem im ersten Band/Kapitel „Hölle“ sind so manche Gesichtsentgleisungen dabei. So sieht Julien konstant wie ein zu klein geratener Erwachsener aus, den man im Dunkeln zusammengeschraubt hat. Ein Kind, dem man keine Selfies erlauben sollte. Das gibt sich aber in den weiteren Kapiteln, die da dann nur noch von Philippe Xavier gezeichnet wurden. Große zeichnerische Unterschiede gibt es während der vier Bände generell nicht, weshalb die gesamte Story trotzdem wie aus einem Guss wirkt. Doch am schönsten sind die Bilder - und das hört sich jetzt drastischer an, als es letztendlich ins Gewicht fällt -, je weniger Details die Gesichter der Figuren aufzeigen.

Fazit:

„Das verlorene Paradies“ ist eine epische Geschichte vom ewigen Kampf von Gut gegen Böse… mit hohem Grauzonen-Anteil. Manchmal auf Grund der Erzählweise unnötig komplex, aber stets packend und bombastisch inszeniert. Künstlerisch schwanken wir - um es mal mit Zeichnern auszudrücken - zwischen Humberto Ramos-esque (eher klobig) und feinen Strichen à la Jae Lee (stylish und perfekt schattiert).

Das verlorene Paradies: Gesamtausgabe (Bd. 1-4)

, Alberto Varanda, Philippe Xavier, Splitter

Das verlorene Paradies: Gesamtausgabe (Bd. 1-4)

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