Das Fleisch der Vielen

Erschienen: Dezember 2018

Couch-Wertung

6
Story
Zeichnung

Story

Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Bestseller-Autor Kai Meyer. Die erzählerische Stärke kommt auch im Comic sehr gut zur Geltung. Kurze Passagen und Dialoge werden dabei teilweise 1:1 aus der Vorlage übernommen. Insgesamt entsteht ein stimmiger Eindruck eines bebilderten Kurzromans.

Zeichnung

Eigenwillige Zeichnungen mit teils leuchtend intensiven Farben in einem sonst düsteren, unheimlichen Setting. Das skizzenhafte unterstreicht durchaus die besondere Atmosphäre. Dennoch muss das Auge immer wieder auf den dynamischen - teils recht kleinen – Panels verharren, um die Szene zu entschlüsseln.

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André C. Schmechta
Spannender Spukhaus-Horror fordert den Leser heraus

Comic-Rezension von André C. Schmechta Jan 2019

Ein Aufmarsch von Linken und Rechten in Leipzig eskaliert. Jana und Tim versuchen einer Gruppe Neonazis zu entkommen und flüchten in ein verlassenes, leerstehendes Hotel. Doch schon nach kurzer Zeit umkommt die beiden ein merkwürdiges Gefühl. Irgendetwas oder irgendjemand ist in dem Hotel. Sie sind keineswegs in Sicherheit.

Haarige Angelegenheit

Stück für Stück entfaltet sich die bedrohliche Atmosphäre im Hotel Astoria in der Leipziger Innenstadt. Merkwürdige Geräusche. Eine Erscheinung in einer Türöffnung. Abgelöster Putz im Mauerwerk hinterlässt die Silhouette eines großen Menschen. Haare auf dem Hotelflur. Und jede Menge Haare sind es auch, die nach der ersten körperlosen Begegnung mit dem Unbekannten auf Jana und Tim zurückbleiben. Was geht hier vor?

Die Angst und Bedrohung nimmt zu und stellt auch die Beziehung von Jana und Tim auf die Probe. Dann sind die Akkus von Janas Handy leer, die bis dahin einzige Lichtquelle im Dunkel des Hotels. Nur ein Feuerzeug verbleibt für den Rest der Nacht.

Düster, spannend, abstrakt

„Das Fleisch der Vielen“ basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Bestseller-Autor Kai Meyer. Diese findet sich ebenfalls komplett abgedruckt im Buch. Die erzählerische Stärke von Meyer kommt auch im Comic sehr gut zur Geltung. Kurze Passagen und Dialoge werden dabei teilweise 1:1 aus der Vorlage übernommen. Insgesamt entsteht ein stimmiger Eindruck eines bebilderten Kurzromans.

Die eigenwilligen Zeichnungen von Jurek Malottke hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Sie wirken meist skizzenhaft, beinahe überhastet. Wie Erinnerungsfragmente, für die nicht genügend Zeit verbleibt, um sie konkreter festzuhalten. Das unterstreicht durchaus die besondere Atmosphäre, die durch die teils leuchtend intensiven Farben in einem sonst düsteren, unheimlichen Setting betont wird.

Dennoch muss das Auge immer wieder auf den dynamischen - teils recht kleinen – Panels verharren, um die Szene zu entschlüsseln. Das nimmt leider die Spannung und bremst die Dramaturgie. In den größeren Panels hingegen punktet der ungewöhnliche Stil und kann seine hypnotische Wirkung entfalten.

Ein Making-Of zeigt Konzeptskizzen, Bleistiftzeichnungen und Kolorierung. Und ich ertappe mich, dass mir die schwarz weißen Tuschezeichnungen am besten gefallen.

Die Geschichte baut zu Beginn noch sanften Grusel auf und liest sich wie ein typischer Vertreter seiner Art. Aber kein entartetes Monster oder Dämon tritt in Erscheinung und trachtet nach dem Leben des jungen Paares. Wir bewegen uns fortan auf abstrakteren Pfaden. Es sind Haare, mit denen sich Jana und Tim herumschlagen. Haare dringen in Ohren und Mund ein. Haare rauben die Luft zum Atmen. Haare dringen in das Denken ein, sind bereits mit dem Körper verbunden. „Das Fleisch der Vielen stillt den Hunger des Kollektivs“ ist alles, was dem Wesen oder der Erscheinung, zu entlocken ist. Sind die Haare Spuren einer Vergangenheit? Fordern Geister und Überbleibsel ehemaliger Bewohner ihren Tribut? Nährt sich eine unbekannte Macht an menschlichen Schicksalen und Geschichten?

Fazit:

„Das Fleisch der Vielen“ nutzt klassische Motive von Spukhaus-Geschichten, verlässt aber den Pfad schlichter, spannender Grusel- und Horror-Unterhaltung und fordert den Leser heraus. Gerade, dass eigener Raum für Interpretationen bleibt, macht so den besonderen Reiz aus, verhindert zugleich aber die einfache Zugänglichkeit.

Zwischenzeitlich ist das real existierende Hotel Astoria in neuen Investorenhänden. Die Restaurierung hat vor kurzem begonnen. Der altehrwürdige Bau könnte damit gerettet sein. Das gilt nicht für Jana und Tim.

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