Courtney Crumrin - Erstes Buch: Die Wesen der Nacht

Erschienen: Januar 2019

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Eine spannende, magische Welt, ohne dass die Figuren sich zu märchenhaft verhalten. Alle haben ihre Macken und bleiben ihren Charakteren treu. Nur bei der Hauptfigur Courtney hätte ich mir eine Entwicklung gewünscht.

Zeichnung

So Goth! Das Figuren- und Umgebungsdesign passen auf die Geschichte wie die Faust aufs Auge, nur die Komplett-Kolorierung hätte nicht sein müssen (obwohl sie sehr gut gemacht ist).

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Nina Pimentel Lechthoff
Gothic-Fest auch für die (nicht ganz) Kleinen

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Feb 2019

Unangepasste Außenseiterin trifft auf gruselige Kreaturen im versnobten Nobelvorort

Das Teenie Courtney Crumrin ist ein Misanthrop und chronisch schlecht gelaunt. Als ihre Eltern sie dazu zwingen, gemeinsam zum Haus des exzentrischen Onkels Aloysius zu ziehen, kann Courtney nur vor sich hin grummeln. Das Haus ist alt, ihr Bett riecht muffig und die ihre neuen Klassenkameraden sind alles schnöselige High-Society-Gören. Doch dann entdeckt sie eine düstere, mysteriöse Welt hinter der versnobten Vorstadt-Fassade. Denn in den dunklen Ecken, dichten Wäldern und unter den hochnäsigen Nasen der Nobelvorort-Bewohner wandeln Kobolde, Wechselbälger und generell düstere Wesen. Auch Courtneys Onkel Aloysius ist nicht nur der schlechtgelaunte, exzentrische Sonderling, wie die ganzen Leute denken.

Burton meets Gaiman meets Hilda

Ein junges Mädchen bzw. Teenie entdeckt eine verborgene Welt, die neben der „normalen“ existiert – erst vor Kurzem habe ich die Netflix-Serie (und die dazugehörigen Comics) von der kleinen Hilda entdeckt. Deswegen wollte ich mehr von solchen Geschichten lesen. Als ich „Courtney Crumrin – Band 1: Wesen der Nacht“ entdeckte, war ich ganz gespannt. Denn anders als bei Hilda, die sehr naturverbunden ist und deren Stil eher kindlich und in Pastelltönen gehalten ist, ist Courtney durch und durch Gothic. Im Comic dominieren dunkle Farben, vor allem in der gruseligen Crumrin-Villa oder im düsteren Wald. Dass die Welt von Courtney so „farbenfroh“ ist, finde ich aber ein bisschen schade. Denn eine Schwarz-Weiß-Welt mit einigen farbigen Akzenten hätten sehr gut zur Geschichte und zur Figur gepasst (diese Neuauflage ist das erste Mal, dass der Comic vollfarbig erschienen ist).

Das Figurendesign erinnert ein bisschen an die Protagonisten von Tim Burton. Sie sehen nicht „hübsch“ aus, sondern haben Ecken und Kanten – im wahrsten Sinne des Wortes: Sie haben spitze Gesichter oder ausgefallene Frisuren und ihre Klamotten sind sehr markant. Vor allem Courtney fällt sehr auf mit ihrem Grunge-/Punk-Look. Was an ihr aber vor allem auffällt ist, dass sie die einzige Figur im ganzen Comic ist, die keine Nase hat. Dadurch wirkt sie noch mehr Fehl am Platz, als sie ohnehin schon ist.

Wenn ich nicht gewusst hätte, wer für den Comic verantwortlich ist, hätte ich spontan gesagt: Der muss doch auf einer Geschichte von Neil Gaiman basieren! Denn nicht nur die Stadt der Kobolde mit ihrem Dunklen Markt erinnerte mich an Unterlondon aus Gaimans Roman „Niemalsland“, sondern auch die Tonart ließ mich an den Autor denken. Anders als bei vielen Filmen von Tim Burton, die bei all der witzigen Gesellschaftskritik dennoch sehr märchenhaft bleiben, bleibt Gaiman in seinen Geschichten „bodenständiger“. Auch wenn die Welt um seine Figuren herum magisch ist, bleiben sie und die Menschen darin sehr real. So ist es beim ersten Band von „Courtney Crumrin“ auch. Ihre Eltern oder ihre Klassenkameraden erfahren nicht eine magische Wendung. Die Eltern bleiben die Schleimer, die sich in die Welt der Reichen und Schönen reinschleichen wollen. Auch die Klassenkameraden sind und bleiben für Courtney arrogante Idioten, mit denen sie – und sie mit ihr – nicht zu tun haben will. Es gibt kein märchenhaftes Happy End, wo sich dann doch alle wieder liebhaben. Diese sehr konsequente Figurenzeichnung hat mir sehr gefallen.

Episodische Einblicke in eine spannende Welt

Obwohl mir gefallen hat, dass die Figuren um Courtney herum ihren jeweiligen Charakteren treu geblieben sind, hat mir bei Courtney ein bisschen eine Entwicklung gefehlt. Zwar hatte ich das Gefühl, dass sie sich innerhalb einer Geschichte entwickelt hat – sie hat Fehler begangen und am Ende aus ihnen gelernt –, trotzdem hatte sie bei der nächsten scheinbar schon wieder alles vergessen. Denn der Comic erzählt nicht eine große, zusammenhängende Geschichte, sondern eher kurze Einblicke in die Welt von Courtney Crumrin.

Was aber nicht bedeutet, dass die erzählten Geschichten schlecht sind. Ganz im Gegenteil, ich wurde förmlich reingesogen in die spannende Welt, die Ted Naifeh in „Courtney Crumrin – Band 1: Wesen der Nacht“ schafft. In diesen kurzen Episoden hat er eine in sich schlüssige Welt erschaffen, die ohne viel Einführung oder langen Erklärungen funktioniert. Das ist – vor allem, wenn es um fantastische Welten geht – nicht immer der Fall.

Fazit:

Mir hat „Courtney Crumrin – Band 1: Wesen der Nacht“ sehr gut gefallen. Die Geschichte erinnerte mich sehr an die Bücher einer meiner Lieblingsautoren und bei den Figuren musste ich oft an die meines Lieblingsregisseurs denken. Trotz der vielen Parallelen, die ich zu ihren Geschichten in Gedanken gezogen habe, schafft es Ted Naifeh eine doch sehr eigenständige und spannende Welt zu erschaffen. Das einzige, was mir negativ aufgefallen ist, war die fehlende Entwicklung der Hauptfigur Courtney. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Comic nicht in Farbe gewesen wäre. Etwas mehr schwarz-weiß hätte wunderbar zur Geschichte gepasst. Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, wie es mit Courtney Crumrin weitergeht!

Courtney Crumrin - Erstes Buch: Die Wesen der Nacht

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