Cassandra Darke

Erschienen: Oktober 2019

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Mal rotzfrech, unverschämt und bissig wie eine dauerverstimmte Giftspritze… dann wieder nachdenklich, britisch-humorvoll und entlarvend ehrlich. Eine hervorragende Mischung aus Sozial-Drama und Krimi.

Zeichnung

Handgemacht und im weitesten Sinne klassisch gehalten. Künstlerische Experimente bleiben aus, was aber auch nicht zur Handlung gepasst hätte.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Schrullig, zynisch und… very british

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jan 2020

Ist der Ruf erst ruiniert

erzähl’s einem, den es interessiert.“ Cassandra Darke pfeift auf das, was andere von ihr denken und zögert auch nicht, dieses Jedem, der ihr über den Weg läuft, an den Kopf zu werfen. Dabei sollte die renitente Dame lieber ganz kleine Brötchen backen, da sie ihren angesehenen Status in der Londoner Upper-Class gänzlich alleine verspielt hat. Nach der Scheidung von ihrem Mann, der mit ihrer Stiefschwester durchgebrannt war, stieg Cassandra nach längerer Abstinenz wieder in die ehemals gemeinsam geführte Kunstgalerie ein, da bei ihrem Ex Alzheimer festgestellt wurde. Vom Luxus der Kunstwelt verwöhnt, kannte Cassandras Geldgier scheinbar keine Grenzen, denn sie schreckte selbst davor nicht zurück, langjährige Freunde gehörig übers Ohr zu hauen. Von einem befreundeten Künstler, der einst regelmäßig in der „Boult & Darke“-Galerie seine Skulpturen ausstellte, fertigte sie nach dessen Ableben Fälschungen an, die sie eifrig und gewinnbringend unters (Kunst)volk brachte. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis dies seiner Witwe und anderen Kennern der Szene auffiel. Seitdem ist Cassandra Darke gebrandmarkt. Wer sollte der Galeristin aus dem West End noch Vertrauen schenken?

Ein Jahr ist vergangen, seit der Betrug aufflog und für ein ordentliches Raunen unter den Kunstliebhabern sorgte. Cassandras finanzielle Reserven sind mittlerweile aufgebraucht und vom Leben in Saus und Braus ist nichts mehr zu spüren. Als Cassandra vom Gedenkgottesdienst ihres verstorbenen Ex-Mannes kommt, dem sie aus sicherer Entfernung beiwohnte (so viel Anstand besitzt sie dann doch), bemerkt sie, dass sich jemand Zugang zu ihrer Wohnung verschafft haben muss. Vorsichtshalber schaut sie auch in der leerstehenden Souterrain-Wohnung nach, die ihre Nichte Nicki zuletzt bewohnte, bevor Cassandra sie und ihren Freund kurzentschlossen vor die Tür setzte. Seit dem Rauswurf war die resolute Mrs. Darke nicht mehr in der Einliegerwohnung, die die Performance-Künstlerin wie einen Saustall zurückgelassen hat. Nach kurzer Suche findet Cassandra etwas, dass sie (und die Leser) zunächst vor ein Rätsel stellt: Eine Pistole, ein geladenes Magazin und einen einzelnen pinkfarbenen Handschuh…

Was folgt, ist ein Rückblick, der die Zeit von Nickis Aufenthalt im Darke’schen Untergeschoss genauer beleuchtet. Außerdem wird geklärt, was es mit dem einleitenden Zeitungsartikel über den Fund eines weiblichen Mordopfers auf sich hat und warum Cassandra Darke bald unwissend zur Zielscheibe (anderer) Krimineller wird.

Der Grinch lebt!!!

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es sich bei Cassandra Darke um eine kauzige Omi handelt. So eine, die am (vermutlich mehrfach benutzten) Taschentuch leckt, um der Enkelin oder dem Enkel ein wenig Dreck aus dem Mundwinkel zu wischen. Natürlich gänzlich liebevoll gemeint und ohne böse Absichten. FALSCH! Die betagte Cassandra würde auf Nummer Sicher gehen, dass die Rotzfahne noch frisch betankt wurde, und einem Kleinkind damit auch ohne Speisereste an der Schnute genüsslich durch die Visage wischen… mehrfach. Warum? Weil sie eine zynische Schachtel ist, die nichts von Nächstenliebe hält und noch weniger von ihren Mitmenschen. Sie ist eine verurteilte Kriminelle und keine gewiefte Spürnase wie ihre Landsmännin Miss Marple. So stapft Mrs. Darke mürrisch durchs vorweihnachtliche London und verbreitet frostige Ebenezer Scrooge-Vibes, die einem Charles Dickens bestimmt zu Inspiration verholfen hätten. Definitiv eine erfrischend andere und durchaus spezielle Art, eine Hauptprotagonistin in Szene zu setzen.

Comic-Roman

Der Begriff Graphic Novel ist für „Cassandra Darke“ wie gemacht. Nicht selten wird das Geschehen (aus verschiedenen Blickwinkeln und Sichtweisen) durch fließenden Text erzählt, der rings um die Panels platziert ist. Dabei ergänzen sich Schrift und Bild harmonisch, sodass dem Leser die Informationen nicht doppelt vorgekaut werden. Gespräche werden selbstverständlich weiterhin via (handgeletterter) Sprechblasen geführt. Die Zeichnungen sind angenehm unaufdringlich und tragen zur winterlichen Atmosphäre bei. Schönheitspreise gewinnen die komplett handgezeichneten und -kolorierten Bilder zwar nicht… was aber auch gar nicht sein muss, da sie ihren ganz eigenen Charme besitzen. In Rückblenden wird die Handlung auch mal gerne blass ein- bis kein-farbig dargestellt. Das hübsch und wertig aufgemachte Hardcover aus dem Hause Reprodukt kommt im Format 22,5 x 26 cm.

Serientäterin

Posy Simmonds ist keine Unbekannte im Comic-Bereich und wurde in ihrer britischen Heimat auf Grund ihrer Verdienste bereits 2002 zum Member of the British Empire ernannt. Für die auflagenstarken Zeitungen „The Guardian“ und „The Sun“ zeichnete sie Fortsetzungs-Strips. Simmonds feiert in diesem Jahr bereits ihren 75. Geburtstag und beweist mit „Cassandra Darke“, dass sie nichts von ihrem bissigen Humor verloren hat und legt auch weiterhin gesellschaftskritisch und -analytisch den Finger in die Wunde, indem sie ungeschönt die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten karikiert und auch entlarvt.

Ihre Graphic Novels „Tamara Drewe“ und „Gemma Bovery“ wurden beide verfilmt. Erstgenannter 2010 von Regisseur Stephen Frears, unter dem deutschen Titel „Immer Drama um Tamara“, während „Gemma Bovery“ von Anne Fontaine inszeniert wurde und bei uns den Titel-Zusatz „Ein Sommer mit Flaubert“ spendiert bekam. Beide Spielfilme haben zudem die bezaubernde Gemma Arterton („Hänsel und Gretel: Hexenjäger“, „The Girl with All the Gifts“) in der Hauptrolle.

Fazit:

Posy Simmonds gelingt es, trotz weihnachtlicher Atmosphäre, mit „Cassandra Darke“ keinen Comic-Kitsch zu fabrizieren, sondern einen überraschend ehrlichen und ungefilterten Blick auf verschiedene Gesellschaftsschichten zu richten. Obwohl sehr zynisch und stets voll auf Konfrontationskurs, bringt ihre knurrig-mürrische Titel“heldin“ so manch frostiges Herz zum Schmelzen… und sei es nur, weil sie so herrlich britisch und komplett gegen den Strich gebürstet ist… die olle Ziege.

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