Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Erschienen: April 2020

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Vielfältig und durchdacht. Eine mitreißend zusammengefasste Biografie der frühen Bowie-Jahre, über den Aufstieg und Abgang einer legendären Kunstfigur. Einen Punkt Abzug für die runtergeratterten Erklär-Texte.

Zeichnung

Ikonische Momente auf Papier gebannt. Michael Allred ist auf jeder Seite die Verehrung Bowies anzumerken. Extrem detailliert und psychedelisch-kreativ inszeniert.

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Marcel Scharrenbroich
Now he’s a Starman… watching from the Sky.

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

Fallende und steigende Sterne („Fame“)

Oftmals leben Popstars ausschließlich durch ihre Selbstinszenierung. Mal mit dünnen Stimmchen oder gar wenig Talent gesegnet, kaschieren sie diese Defizite durch extravagantes Auftreten, öffentliche Skandale, Ausraster oder schlichtweg Größenwahn. Und wenn wir ehrlich sind, war „berühmt sein“ nie einfacher als in unserer aktuellen Zeit. Ein simpler Tweet kann um die Welt gehen, regelrechte Lawinen auslösen und das Leben von einem Tag auf den anderen umkrempeln. Gestern noch mit der Trommel durchs Kinderzimmer gerannt, morgen schon der gefeierte Newcomer in allen Klatsch-Portalen. Umgekehrt funktioniert das Spielchen natürlich auch. Einmal besoffen und ohne nachzudenken ins Smartphone gelallt, auf „senden“ gedrückt… und schon war’s das mit dem Platz an der Sonne. Mit den Namen beider Seiten lassen sich ganze Bücher füllen… und bei einem Großteil dieser Namen gibt es keine logische Erklärung, warum oder durch welches sonderbare Talent gerade DIESE Leute mit Glamour überhäuft und Kohle geradezu zugeschissen wurden und werden. Nun gut, die Manager und Berater, von denen jeder Z-Promi heutzutage mindestens drei an jedem Finger hat, werden es wissen… und wenn nicht, wird es ihnen auch egal sein. Haben sie sich doch schon die Taschen vollgestopft und sind zum Haufen der nächsten Eintagsfliege geschwirrt.

Ist jedoch wirkliches Talent, um nicht zu sagen „Kunst“, im Spiel, bewegen wir uns schon auf einem ganz anderen Level. Wahre Künstler sind oft das genaue Gegenteil von Kamera-geilen Möchtegern-Stars, die sich selbst auf einen überhöhten Sockel stellen, den sie nur mit Hilfe einer Leiter erklimmen können. Ikonen, die ganze Generationen prägen, auf konstantem Niveau abliefern, sich stets neuerfinden, ohne sich abzunutzen. Ja, solche Künstler hinterlassen übergroße Fußspuren in der popkulturellen Zeitgeschichte. Man mag zurückblicken auf die Beatles, die Rolling Stones, die du einfach nicht kaputtkriegst (entweder ist die Zeit auf ihrer Seite oder sie sympathisieren mit dem Teufel, jedenfalls scheinen die NIE befriedigt zu sein…), Queen mit ihrem charismatischen und unvergleichlichen Frontmann Freddy Mercury, Pink Floyd, die zum Teil seit den 70ern aktiven Aerosmith, AC/DC, Metallica oder Guns n‘ Roses… und natürlich auf den Mann, der durchs All und wieder zurück reiste, Leben auf dem Mars suchte, der vom Himmel fiel, sich von Berlin und den Vereinigten Staaten gleichermaßen inspirieren ließ, Mr. Lawrence frohe Weihnachten wünschte und über das Labyrinth herrschte: David Robert Jones.

Von Brixton bis zum Mars („Changes“)

Gut, unter dem Namen David Jones hielt sich der Erfolg der Anfangstage noch in Grenzen, aber mit stetig wachsender Bekanntheit musste ein Künstlername her. Nicht zuletzt, da eine Verwechslungsgefahr zu Davy Jones (1945 – 2012) bestand, dem Sänger und Perkussionisten der Band The Monkees, die zudem Stars der gleichnamigen TV-Serie waren, welche zwischen 1966 und 1968 in den USA ausgestrahlt wurde. So wurde - in Anlehnung an den amerikanischen Grenzer und militärischen Führer während der Texas-Revolution Jim Bowie (1796 – 1836) - nach dem auch das handliche Messer benannt ist - aus David Jones die ikonische Musik-Legende David Bowie.

Aufgewachsen in Brixton, einem Stadtteil in South London, kam der junge David schon früh mit Rockmusik in Berührung. Er spielte in diversen Bands, besuchte Konzerte mit seinem Halbbruder Terry, der von 1969 bis zu seinem Tode, 1985, wegen Schizophrenie in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt wurde, bevor ein Zug sein Leben beendete, und war noch immer auf der Suche nach dem richtigen Sound. Bis das Debütalbum der experimentellen Rock-Band The Velvet Underground diese Suche beendet. Als David Bowies erstes Album erscheint, das gleichzeitig seinen Namen trägt, sickert bei seinem Manager Ken Pitt durch, dass die Plattenfirma nicht mehr genug Vertrauen in Bowie zu setzen scheint. Deshalb arrangiert Pitt ein Treffen mit dem Produzenten Tony Visconti, um die geplante Karriere in die richtige Bahn zu lenken.

Rund zwei Jahre nach dem Kennenlernen von Bowie und Visconti, 1969, dreht der aufstrebende Künstler den Werbefilm „Love You Till Tuesday“. Für diesen entsteht bereits eine erste Version des Songs „Space Oddity“, für den Bowie durch Stanley Kubricks Sci-Fi-Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“ inspiriert wurde. Ende dieses Jahrs erscheint das zweite Album, nachdem „Space Oddity“ bereits während der TV-Übertragung der Mondlandung am 20. Juli 1969 gespielt wird. 1972 wird das Album „Man of Words, Man of Music“ beim New Yorker Label RCA Records erneut veröffentlicht. Diesmal unter dem Titel „Space Oddity“, welches den gleichnamigen Song in einer neuen Version enthält. Die Single-Auskopplung schlägt ein und markiert den Startschuss für eine beispiellose Karriere, die erst am 10. Januar 2016 endete. An diesem Tag verstarben David Bowie, Ziggy Stardust, der Thin White Duke, Major Tom, Aladdin Sane, Jareth der Koboldkönig… und David Robert Jones (1947 – 2016).

Abschied („Ashes to Ashes“)

Die Rahmenhandlung befasst sich mit dem legendären Abschlusskonzert im Hammersmith Odeon in London. Am 3. Juli 1973 trug Bowie hier seine Kunstfigur Ziggy Stardust zu Grabe. Völlig überraschend und vor einem tosenden Publikum. In der Graphic Novel wunderbar dargestellt als Dialog in psychedelischer Kulisse zwischen David Bowie und seinem selbstgeschaffenen Alter Ego. Ebenso surreal wie die Abnabelung verlief schon die Schöpfung von Ziggy Stardust. Das Ende eines Abschnitts… einer Phase, in der kosmische Unterstützung vonnöten war. Doch ruhte sich Bowie keineswegs auf seinem Erfolg aus, sondern erfand sich immer wieder neu. Wieder und wieder…

Denkmal in Standbildern („Heroes“)

Zugegeben, man sollte schon Fan von David Bowie oder zumindest interessiert an dessen Schaffen und Werdegang sein, um vollkommen in die Graphic Novel eintauchen zu können. Ein wenig Vorwissen ist auch nicht von Nachteil. Um eine ausführliche Biografie, mit durchgängiger Handlung und mit allen Ecken und Kanten versehenen Details aus Bowies Ziggy Stardust-Jahren, zusammenzustellen, hätte es deutlich mehr als 160 Seiten gebraucht. Ich persönlich sehe dies aber keineswegs als Nachteil, da Autor Steve Horton sich hier auf das Wichtigste beschränkt. Versehen mit allen relevanten Stationen des wandlungsfähigen Künstlers, peitscht Horton die Leser durch David Bowies Karrierestart. Manche Textbrocken wirken da zwar wie lieblos abgearbeitet, was jedoch auch an der deutschen Übersetzung liegen mag, welche natürlich nicht den gleichen Bezug zu den verarbeiteten Bowie-Songs herstellen kann, wie der Originaltext. Allein durch die graphische Umsetzung werden die textlichen Defizite aber wieder mehr als wettgemacht.

Für die ist kein geringerer als Michael Allred verantwortlich. Der preisgekrönte Comic-Zeichner erfüllte sich mit der Verwirklichung von „Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume“ einen langgehegten Traum. Laut eigenen Angaben zeichnete Allred seit 1974 Ziggy Stardust-Comics und verarbeitete seine Ideen in seiner eigenen Serie „Red Rocket 7“. Außerdem ist er Schöpfer der erfolgreichen „Madman“-Reihe und zeichnete eine Story für Neil Gaimans populäre „Sandman“-Saga. Gaiman ist es auch, der Allreds und Hortons Graphic Novel gebührend einleitet, während das letzte Wort dem Künstler gehört.

Mike Allreds Stil lässt sich wohl am besten als Mischung aus „klassisch“ und „retro“ bezeichnen. Mit hohem Detailgrad und ebensolchem Realismus geht er hier zu Werke. Die Charaktere wirken ihren realen Vorbildern meist wie aus dem Gesicht geschnitten. Damit meine ich nicht nur David Bowie, der nach dem jahrelangen Studium des Künstlers sowieso schon in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheint, sondern auch die Kollegen, Weggefährten und anderen musikalischen Größen, die Bowie auf seinem Werdegang in den Musik-Olymp begegnen. Darunter Freddy Mercury, Alice Cooper und Iggy Pop. Auch die extrem detaillierten Plattencover und Filmplakate stechen sofort ins Auge. Generell sind die Seiten zugepflastert mit Popkultur-Referenzen, Song-Anspielungen und stylish-surrealen Auswüchsen, die einer LSD-bedingtem Fiebertraum entsprungen scheinen. Farblich wurde das Ganze gelungen von Laura Allred in Szene gesetzt. Poppig, bunt und alle Sinne kitzelnd. Nicht die erste Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Michael.

Ein besonderes Highlight ist eine mehrseitige Kollage, die am Ende noch Bowies Wandelbarkeit in einem exzessiven Bilderrausch zeigt. Von „Der Mann, der vom Himmel fiel“, über seinen Ausflug nach „Twin Peaks“ bis hin zum Musikvideo zu „Lazarus“, aus David Bowies 25. und letztem Album „Blackstar“, welches nur zwei Tage vor seinem Tod, am 8. Januar 2016, erschien… seinem 69. Geburtstag.

Fazit („Sound and Vision“):

„Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume“ liest sich wie eine musikalische Reise durch David Bowies Ziggy Stardust-Epoche. Besser gesagt, sieht die Graphic Novel so aus. Quasi ein Best-of dieser Zeit, welches nie lange an einer bestimmten Stelle verweilt. Die erklärenden Texte sind da – zumindest in der deutschen Übersetzung – nur Beiwerk und als Stichwortgeber zu betrachten. Optisch ist dieses Buch aber mehr als nur ein Denkmal für eine Kunstfigur eines überlebensgroßen Künstlers.

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

Bowie: Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume

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