Bobby Fischer: Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn

Bobby Fischer: Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn
Bobby Fischer: Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn
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Carsten Jaehner
10

Comic-Couch Rezension vonJul 2022

Story

Ein bewegtes Leben in einer beeindruckenden Graphic Novel. Für Schachfans unverzichtbar.

Zeichnung

Passenderweise in schwarz-weiß und allen Nuancen. Bekannte Persönlichkeiten sind dank der Detailtreue auch als diese zu erkennen.

Genie und Wahnsinn in Schwarz-Weiß

In der Welt des Schachsports bewegen sich bisweilen einige Unikate an Persönlichkeiten, wie man auch in Stefan Zweigs „Schachnovelle“ lernen kann. Einer der exzentrischsten Schachspieler überhaupt war unbestreitbar der Amerikaner Bobby Fischer, der 1972 Schachweltmeister wurde, diesen Titel nicht verteidigte und sich daher weiter für den amtierenden Weltmeister hielt. In der gleichnamigen Graphic Novel zeichnen Wagner Willian und Julian Voloj sein Leben nach und versuchen, ihm auf die Spur zu kommen.

Lebensweg

Bobby wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, seine Mutter ist alleinerziehend und bringt ihn und seine ältere Schwester gerade so durch. Sie arbeitete als Krankenschwester und stand wegen ihrer offen kommunistischen Weltsicht unter Beobachtung des FBI. Mit sechs Jahren erlernt Bobby die Schachregeln und lebt fortan in dieser Welt. Er hasst es zu verlieren und liest und spielt alles, was ihm in die Quere kommt.

Als 1954 die russische Schachnationalmannschaft in die USA kommt, ist der elfjährige Bobby von deren Profitum begeistert. Sie sind nicht nur Großmeister, sondern auch Profis, die zu Hause wie Filmhelden verehrt werden. Bobby träumt auch von so einer Professionalität, doch in den gesamten USA gibt es nur einen Großmeister und nur wenige Schachclubs. Bobby wird in den Manhattan Chess Club eingeladen, macht dort einen guten Eindruck und gilt seitdem als Wunderkind des Schachs. Doch abseits des Bretts machen sich durch Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar, die Bobby bald als schwierigen und exzentrischen Menschen berühmt machen.

1971 gewinnt der das Kandidatenturnier für die Schachweltmeisterschaft 1972 in Reykjavik, wo er gegen Boris Spasski antritt. Trotz seines exzentrischen Verhaltens gewinnt er und macht allein durch seine Person Schach weltweit populär und sorgt durch seine Forderungen dafür, dass Schachspieler von ihrem Sport leben können. Nach der WM spielt er zwanzig Jahre kein Schach mehr und wandert durch die Welt, lebt von den Tantiemen seines Schachbuchs und wird wegen Verstoßes gegen Sanktionen international gesucht.

Facettenreich

Ein so bewegtes Leben, von hier nicht alles wiedergegeben werden kann, schreit geradezu nach einer Präsentation, und in der Form einer Graphic Novel erreichen die Autoren auch ein vermeintlich jüngeres Publikum, auch wenn sie vielleicht mit dem Namen Bobby Fischer zunächst nicht (mehr) viel anfangen können. Die Zeichnungen sind klassische-realistisch und driften nicht ins exzentrische ab, obwohl die Vorlage dies durchaus hergegeben hätte. Hingegen erzählt sie vom Aufstieg und Fall eines Schachgiganten, erzählt auch unbekanntere Kapitel seines Lebens, und doch bleibt der Charakter Bobbys einem fremd, es ist mitunter schwer, Verständnis für seine Launen und Reaktionen aufzubringen.

Das liegt hauptsächlich daran, dass die Graphic Novel zwar sein Leben ausführlich und interessant, bisweilen sogar spannend erzählt, sondern darin, dass die Gründe für sein psychotisches Verhalten nicht erläutert werden. Manche Dinge lassen ahnen, aber in dieser Hinsicht wird der Leser letztlich im Dunkeln gelassen.

Dennoch ist die Graphic Novel eine gelungene Darstellung des Lebens von Bobby Fischer, das hoffentlich viele begeisterte Leser findet, denn nebenher werden auch die Schachregeln erklärt und der Kosmos der Schachwelt lebendig dargestellt. Logischerweise kommen die Zeichnungen in schwarz-weiß daher, mit allen möglichen Nuancen, es treten viele Persönlichkeiten der Zeit auf, darunter Henry Kissinger, Tigran Petrossian, weitere Größen der Schachszene und auch seine ältere Schwester Joan, allesamt gut und erkennbar gezeichnet. All diese Personen werden am Ende des Buches aus dem Knesebeck Verlag noch einmal porträtiert.

Fazit:

„Bobby Fischer“ ist ein beeindruckendes Porträt über den einstigen Schachweltmeister von 1972, der nicht nur abseits des Bretts umstritten und ein schwieriger Charakter war. Dies alles wird hervorragend dargestellt, einzig fehlt die klare Erklärung, wo die Ursachen für sein Verhalten liegen. Ein Muss für Schachfans und für alle anderen ein spannender Einstieg in die bunte Welt des schwarz-weißen Sports.

Bobby Fischer: Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn

, Wagner Willian, Knesebeck

Bobby Fischer: Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn

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