Blau ist eine warme Farbe

Erschienen: Februar 2016

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Story
Zeichnung

Story

Julie Maroh erzählt eine tief berührende Geschichte über Liebe, Sehnsucht, das erste Mal, die eigene Identität und die tiefgreifenden Veränderungen, die ein Coming-Out im persönlichen Umfeld mit sich bringen kann. Die französische Autorin findet die richtige Sprache für die aufgewühlte Gefühlswelt ihrer Figuren.

Zeichnung

Den Bildern von Julie Maroh gelingt der behutsame Spagat zwischen ungestümer Lebhaftigkeit mit jugendlichem Charme und emotionaler Ernsthaftigkeit.

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André C. Schmechta
Liebe, Sehnsucht und die tiefgreifenden Veränderungen des Coming-Out

Comic-Rezension von André C. Schmechta Nov 2018

Clementine ist ein 15-jähriges Mädchen. Sie geht zur Schule, hat einen Freund. Doch ihr Leben ändert sich, als sie die selbstbewusste Kunststudentin Emma kennenlernt.

„Die Liebe kann nicht ewig sein, aber sie verleiht uns Ewigkeit“

Diese Geschichte wird kein Happy-End haben. Das machen uns gleich die ersten Seiten klar. Sie zeigen eine traurige Emma, die das Zuhause von Clementine aufsucht, um Tagebücher entgegenzunehmen. Tagebücher, die Clementine bei ihrer Mutter hinterlegt hat, um diese nach ihrem Tod Emma zu übergeben. Und diese Tagebücher erzählen uns von einer ganz besonderen Liebesgeschichte.

Nachdem Emma erstmals Clementine zufällig über den Weg gelaufen ist, bekommt sie die Studentin mit den blauen Haaren nicht mehr aus dem Kopf. In ihren Träumen genießt sie das intime Liebesspiel mit der Unbekannten. Clementine ist irritiert. Warum hat sie derartige Gefühle? Die kaum angefangene Beziehung mit ihrem Freund beendet sie.

Als ihr schwuler Freund Valentin eines Tages Clementine überredet in eine Szene-Location mit vorrangig homosexuellem Publikum mitzukommen, lernt sie Emma endlich kennen ... und verliebt sich. Doch damit fangen die Probleme erst richtig an!

Ausgezeichnete Graphic Novel, ausgezeichneter Film

Ich habe die Geschichte von Julie Maroh erstmals durch die Verfilmung mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux kennengelernt. Auch wenn Regisseur Abdellatif Kechiche wegen seiner extremen Arbeitsweise und der ausführlich inszenierten expliziten Sexszenen in die Kritik geraten ist - und sich auch Julie Maroh von dem Film distanziert - die Auszeichnung von „La vie d’Adèle“ (so der französische Filmtitel) mit der Goldenen Palme in Cannes blieb davon unberührt. Es ist übrigens die erste Auszeichnung des Festivals für einen Film nach Vorlage einer Graphic Novel. Ausgezeichnet wurde die Graphic Novel bereits im Jahr 2011 mit dem Prix du Public.

Mir hat der Film insgesamt gut gefallen, weil die Geschichte mit ihren Figuren stimmig und insbesondere die anfängliche Annäherung und das Kennenlernen der Hauptfiguren sehr feinfühlig umgesetzt sind. Einer der größten Pluspunkte ist dabei die Authentizität und Natürlichkeit der Hauptfiguren. Während Emma in Julie Marohs Vorlage stirbt, darf ihr Ebenbild im Film - Adèle, gespielt von Adèle Exarchopoulos - überleben. So kann sich der Zuschauer zumindest nach dem Film mit der Hoffnung auf ein mögliches Wiedersehen zurückziehen - auch wenn die Beziehung der beiden jungen Frauen beendet ist.

„Die Liebe entflammt, schläft ein, zerbricht uns, lodert wieder auf...“

Aber zurück zur Graphic Novel: Das glaubwürdige agieren der Protagonisten trägt auch in Julie Marohs Debüt zur besonderen Intensität bei. Die Gefühle fahren Achterbahn und so ändert sich auch immer wieder die Beziehung zwischen Emma und Clementine.

Die französische Autorin findet die richtige Sprache für die aufgewühlte Gefühlswelt ihrer Figuren, die sich über ihre eigene Identität Klarheit verschaffen müssen. Dabei treffen ihren Wünsche und Sehnsüchte auf eine Gesellschaft, die noch von traditionellen Werte und Vorstellungen geprägt ist.

So fällt es Clementine schwer, anfangs die Gefühle einzugestehen, doch ihre Liebe wächst und reift. Emma ist zunächst noch in einer Beziehung, hat bereits eine lesbische Partnerin und muss sich erst für Clementine entscheiden. Beide halten ihre Liebe erst geheim.

Das funktioniert natürlich nicht auf Dauer. Die Ablehnung bei Freunden und sogar der eigenen Familie trifft Clementine mit voller Wucht.

Julie Maroh hebt hier keineswegs den Zeigefinger, bleibt aber direkt und schonungslos. So bleibt „Blau ist eine warme Farbe“ auch ein wichtiges Plädoyer an alle für mehr Toleranz und Offenheit.

Auch den Bildern von Julie Maroh gelingt der behutsame Spagat zwischen ungestümer Lebhaftigkeit mit jugendlichem Charme und emotionaler Ernsthaftigkeit. Ihr feiner Strich hat manchmal etwas Fragiles - gerade auch in den intimen Momenten unterstreicht das den besonderen Moment.

Der größte Teil der Erzählung - die Rückblenden aus Clementines Tagebüchern - ist mit farblosen Panels gestaltet. Nur Emmas Haare – und in den frühen Traumsequenzen ihre Hände – sowie Clementines erster Freund Thomas und das Tagebuch selber erstrahlen in intensivem blau.

Die Sequenzen der Gegenwart und den schweren Abschied taucht Julie Maroh dann in eher gedeckte Farben. Das gibt den Bildern zusätzlich Kraft und Tiefe. Das kräftige Grün der Sequenzen im Krankenhaus wirkt dann schon beinahe bedrohlich. Die letzten 25 Seiten sind unglaublich einnehmend und beinahe wünsche ich mir ich könnte sie überspringen, damit Emma und Clementine gemeinsam glücklich in die Zukunft gehen können. Aber es würde der Geschichte alles nehmen...

Fazit:

„Blau ist eine warme Farbe“ erzählt eine sehr berührende Geschichte über Liebe, Sehnsucht, das erste Mal, die eigene Identität und die tiefgreifenden Veränderungen, die ein Coming-Out mit sich bringen kann. Julie Maroh bleibt ganz nah bei ihren Figuren. Sie sind authentisch und natürlich. Ihre in alle Richtungen ausschlagenden Gefühle sind jederzeit nachvollziehbar.

Das Ende ist schwermütig und bedrückend. Da müssen wir leider durch. Aber es wirkt nicht konstruiert, sondern betont die wesentliche Essenz, die jede Seite von „Blau ist eine warme Farbe“ in sich trägt: Das Leben ist kostbar, also lebe und liebe!

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