Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Culture-Clash, Sprachbarriere, Gemeinsamkeit, Freundschaft… es kann so einfach sein. Manchmal ZU einfach.

Zeichnung

Herausragende Licht- und Schatten-Effekte und ein fotorealistischer Look. Bis auf ganz wenige Ausnahmen eine prachtvolle Augenweide!

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Marcel Scharrenbroich
Das Streben nach Rache

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jul 2020

Willkommen in der „Zivilisation“… Kumpel.

Er ist der Tod, der Bastardkönig, der gottverdammte Berserker! Kinder fürchten sich, seinen wahren Namen auszusprechen und seine Gegner erzittern vor seinem Schwert, das ihnen die Pelle vom Wanst schält! Er kämpfte bis zum Untergang, kämpfte für seine Frau… für seine Tochter. Nun hat er ein neues Ziel: Rache!

Als sich der Berserker nach unzähligen Schlachten, die ihn von seiner geliebten Familie trennten, seinem Dorf nähert, schlägt ihm schon ein beißender Geruch entgegen. Fleisch. Verbranntes Fleisch. Seine schlimmsten Vorahnungen bestätigen sich. Seine Familie ist tot… das ganze Dorf. Niedergemetzelt. Schutt, Asche und Blut sind das einzige, was von seiner Heimat noch übrig ist. Übermannt von Zorn und Hass schreit er seinen Gegnern entgegen. Die Meute lässt nicht lange auf sich warten und wie entfesselt, lässt der rasende Berserker den Stahl sprechen. Wie von Sinnen hackt er auf seine Gegner ein. Trennt Gliedmaßen und Köpfe ab. Er hat nichts mehr zu verlieren, wurde ihm doch bereits alles genommen. Dennoch scheint der finstere Dämonenkönig sich seines Sieges gewiss zu sein. Seine Reiter sind in der Überzahl und während der gefallene Bastardkönig knietief im Lebenssaft seiner abgeschlachteten Feinde watet, ist die düstere Verstärkung bereits im Anmarsch. Ihm bleibt nur die Flucht…

Er zweifelt. An allem… seinem bisherigen Leben, das von Kindesbein aus Kampf bestand, an seiner Zukunft… ohne Rhona und Elmy… an allem, was ihn bisher am Leben hielt. Der Barbar flüchtet sich in die vermeintliche Sicherheit einer Höhle. Die dunklen Gänge führen ihn immer tiefer ins Gemäuer, bis er eine Sackgasse erreicht. Seltsame Runen flackern vor ihm auf. Immer mehr, immer heller werdend. Schließlich bilden die Schriftzeichen einen Strudel. Grelle blitzen zucken um seinen Körper. Umhüllen ihn. Saugen ihn auf. Als er wieder auf dem Boden aufschlägt, erblickt er verschiedenfarbige Runen an den Höhlenwänden. Portale. Was hat er schon zu verlieren? Nichts… also schreitet er durch eine dieser seltsamen Öffnungen.

Als er die Augen wieder öffnet, liegt er mitten im Gras. Mitten in der friedlichen Natur, umringt von Bäumen und wärmenden Sonnenstrahlen. Bei Zamons Bart… war dies alles nur ein Traum? Plötzlich verdunkelt ein Schatten seine Sicht. Jemand beugt sich über ihn. Ein Feind? Nein, es ist der obdachlose Joe Cobb. Aus der Großstadt. Unserer Großstadt.

Park-Geplauder und Sprachbarrieren

Textlastig wird es eigentlich nur, wenn Cobb mal wieder in Plauder-Laune ist… obwohl er nicht müde wird, zu behaupten, dass er eigentlich eh nicht viel redet. Ein netter Running-Gag. Und obwohl der Berserker aus der fernen Welt kein Wort davon versteht, quatscht der sympathische Lebenskünstler, der nie zugeben würde, dass er sich im Grunde seines Herzens einsam fühlt, munter weiter. Hier haben wir als Leser den Vorteil, beide Parteien zu verstehen. Und aus dieser Sprachbarriere, die in gewisser Weise an den Sci-Fi-Klassiker „Enemy Mine – Geliebter Feind“ erinnert, ergibt sich sogar so manch amüsante Situation.

Schade ist allerdings, dass sich dieses Zwischenmenschliche hauptsächlich am Lagerfeuer im Park abspielt, der nur für eine Stippvisite in die Stadt verlassen wird. Die „Herkules in New York“-Prämisse hätte noch deutlich mehr Potential gehabt. So verschenkt der Comic leider viele Möglichkeiten und versucht im letzten Drittel, das Ruder durch hübsch anzusehende Action wieder rumzureißen… was nur bedingt gelingt.

Hieb- und stichfest…

…und somit über (fast) jeden Zweifel erhaben, sind die Illustrationen von Mike Deodato Jr., der erst 2019 seinem langjährigen Arbeitgeber MARVEL den Rücken kehrte. Aktuell zeichnet der Brasilianer für den US-Publisher AWA und hat dort künstlerisch gleich zwei Serien in der Pipeline. Bereits gestartet ist die apokalyptische Reihe „The Resistance“, geschrieben von J. Michael Straczynski, und im August folgt die von Autorin Christa Faust verfasste Vorstadt-Thriller-Serie „Bad Mother“. Für „Berserker Unbound“ arbeitete er mit dem Dark Horse Verlag und Erfolgsautor Jeff Lemire zusammen. Zwei Namen, bei denen das Kleinhirn eines Comic-Fans eigentlich im Sechseck durch die Rübe tanzen müsste! Denn eigentlich wird ja so gut wie alles, was der kanadische Vielschreiber anfasst, zu Gold. „Descender“, der Nachfolger „Ascender“, die bislang schon sehr ausufernde „Black Hammer“-Welt, die preisgekrönte „Gideon Falls“-Reihe (alle bei Splitter erschienen) und natürlich das geniale Drama „Der Unterwasser-Schweißer“ (Hinstorff). Und dazu noch Deodato, dessen fotorealistischer Stil eigentlich immer ein Fest für die Augen ist.

Nun, zumindest im Falle von Deodato gibt es nicht viel zu beanstanden. Höchstens, dass der realistische Look hin und wieder die Dynamik killt und den Fluss herausnimmt. Speziell in den Dialogen wirkt der Standbild-Charakter meist wenig vorteilhaft. Ein Effekt, der auch bei anderen Künstlern häufig zu sehen ist. Ansonsten bebildert er „Berserker Unbound“ aber auf einem beeindruckenden Niveau. Viele Details, eindrucksvolle Schattenwürfe und ein tolles Spiel mit der Tiefe. Die kräftigen und teils extrem leuchtenden Farb-Akzente (wenn Magie im Spiel ist) verstärken diesen Effekt noch zusätzlich. Dafür ist der Kolorist Frank Martin verantwortlich, der jede Szene in die richtige Farbe taucht. Da harmoniert wirklich jeder Klecks. Im Anhang finden wir noch Skizzen von Mike Deodato Jr. und Variant-Motive der US-Ausgaben von Dark Horse. Diese tollen Cover von Mike Mignola, Andrea Sorrentino, Dustin Nguyen und Christian Ward versprühen auch eine Menge Flair. Flair, welches die Story nur bedingt erfüllt, denn leider schwächelt gerade Jeff Lemire in dieser Mini-Serie ordentlich.

„Berserker Unbound“ kommt nämlich nur recht selten aus dem Quark. Der Reiz liegt in dem Aufeinandertreffen zweier Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der barbarische Berserker aus einer fremden Dimension auf der einen, der obdachlose Großstädter aus unserer Welt auf der anderen Seite. So nähert man sich an, bis irgendwann eine Art stumme „Freundschaft“ entsteht. Und das unnötige „Kumpel“-Geschwafel, welches die Annäherung verdeutlichen soll und gegen Ende fast an jeden Satz angehängt wird, gipfelt im nervigen Holzhammer-Mittel. Wir Leser haben den Wink mit dem gesamten Zaun auch so schon verstanden.

Fazit:

Ein Conan-Klon mit Familiensinn, der zwar auch eindrucksvoll das Schwert schwingen kann, dafür aber an einer zu offensichtlichen Story nach Schema F scheitert. Für Lemire-Verhältnisse zu schlicht und einfach. Und irgendwie hat man am Ende dieser vierteiligen US-Mini-Serie, die in diesem Band komplett vorliegt, das Gefühl, dass die Geschichte gerade mal am Anfang steht. Auch die Barbaren-Implementierung in die „reale“ Welt ist nicht neu. So ist dies gerade erst in MARVELs „Avengers – No Road Home“ (Panini) mit dem von Robert E. Howard geschaffenen Conan geschehen. Die beeindruckenden Bilder von Mike Deodato Jr. und die brillanten Farben von Frank Martin sind dafür über (fast) jeden Zweifel erhaben.

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