Belzebubs

Erschienen: November 2019

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Fiktive Dokumentation einer fiktiven Band, die mittlerweile ein reales Album am Start hat. Eine gehörnte Hand (mano cornuta) nach oben! TRVE KVLT!!!

Zeichnung

Niedlicher Cartoon-Stil im Kontrast zum derben, schwarzhumorigen, aber nie anstößigen Humor. Ein Cartoon-Band für (fast) die ganze Familie. Ahonen rocks like HELL!

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Endlich mal normale Leute…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jan 2020

Der Beginn der Dämmerung (THE DUSKFALL)

Vergesst die Wollnys, Geissens, Fußbroichs, Bundys, Feuersteins und wie sie alle heißen… wo die Reality-Schiene, die 1986 - als die unbescholtene Familie Tanner den ersten dokumentierten Bewohner aus dem All bei sich aufnahm - ihren Anfang nahm, hinführt, wissen wir mittlerweile alle… in den australischen Dschungel. Wo bei Ferkeleien im Busch, ein paar leckeren Hoden-Happen, Wombat-Spießchen und einer Kanne Kuh-Urin auch dem hinterletzten Z-Promi, der in irgendeiner Casting-, Dating- oder anderen Fremdscham-Show zwei- bis dreimal durchs Bild geflitzt ist, die Hose runtergezogen wird, bevor er in die nächste Seppel-Sendung getrieben wird, um schließlich - in einem Green-Screen-Kämmerchen eingepfercht – Internet-Clips von vorm letzten Weltkrieg für eine beliebige Fließband-Ranking-Show zu kommentieren. Halleluja, das is’n Ding!!!

Gut, dass die BELZEBUBS sowas nicht nötig haben. Hier geht es noch gesittet zu! Familien-Streitigkeiten werden diplomatisch ausdiskutiert, es wird im Kreis der Lieben fröhlich musiziert, aufkeimende Teenager-Liebe sorgt für Schmetterli… Fledermäuse im Bauch, es wird hin und wieder dem Gehörnten mit dem Pferdefuß gehuldigt… eben alles, was ganz normale Familien so machen. Heil Satan.

Dunkle Gelassenheit (DARK TRANQUILITY)

Hinter der düsteren Fassade - nicht nur auf der Bühne durch geschminkte Gesichter und schwarze Kluft zum Ausdruck gebracht – verbirgt sich eine (fast) normale Familie mit (fast) normalen Problemen. Sløth, sein süßer Sukkubus Lucyfer und ihre beiden Kids Lilith und Leviathan leben und lieben den Black Metal in allen Facetten. Teils im dokumentarischen Stil, werden die Familienmitglieder auf der heimischen Couch von einem nicht sichtbaren Interview-Partner zu ihrem Alltag befragt. Daraus ergeben sich wirklich liebevolle Einblicke ins Leben der Metal-Familie, bei denen der Wahnsinn allerdings haarsträubend überwiegt. Da wird Gott mit einem Hockey-Schläger im Anschlag vom Rasen gejagt, Liebesgott Amor, der bei der Teenie-Tochter das schwarze Herz in Wallung bringt, kopfüber und schreiend ans Kreuz genagelt, der verweste Opa von der ebenfalls satanisch geschminkten Granny wieder aus dem Grab gebuddelt und an den Esstisch gesetzt, scharfe Rollenspiele im „Exorzist“-Style vollführt, Portale in Welten geöffnet, an denen Lovecraft seine Freude gehabt hätte oder wir erfahren, dass Daddy von Eierlikör Dünnschiss kriegt.

Nicht nur wenn Sløth von einem vermeintlichen Fan für Gene Simmons gehalten wird und dies mit einem trockenen „Fick mein Leben.“ kommentiert, lag ich schreiend auf dem Boden. Die enorm hohe Gag-Dichte in „Belzebubs“ ist kaum noch zu übertreffen. Sollte es doch irgendwo einen Cartoon-Band geben, der die ein bis zwei Seiten langen Kurzgeschichten der „etwas anderen Familie“ übertrifft, sollte das mit dem Teufel zugehen (Brüller!).

Ganz nebenbei ist Sløth noch damit beschäftigt, seine Band BELZEBUBS nach vorne zu bringen. Nach früheren Erfolgen will man nun wieder daran anknüpfen, was leichter gesagt ist, als getan. Mit Sløth als Lead-Sänger und an der Gitarre, Obesyx als Lead-Gitarrist, Hubbath am Bass und dem neuen Drummer Samaël, der dem Sound der Black Metal-Pioniere einen progressiveren Touch verleiht, sollte dies eigentlich kein Problem sein… eigentlich.

Grafische Stellvertreter (AVATAR)

Tatsächlich brachte die Band mit der einst fiktiven Biographie im April 2019 mit „Pantheon of the Nightside Gods“ ein real existierendes Album auf den Markt. Veröffentlicht von Century Media Records (Sony Music) enthält das Debüt neun Songs und zwei Bonus-Tracks, die irgendwo zwischen Black Metal und Melodic Death Metal angesiedelt sind. Produziert wurde das Ganze vom Schweden Dan Swanö, der neben seinem erfolgreichen Produzenten-Dasein auf eine Vielzahl von Bands zurückblicken kann. Angefangen von EDGE OF SANITY, über BLOODBATH bis hin zu WITHERSCAPE.

Wer hinter BELZEBUBS steckt, bleibt auch weiterhin ein Geheimnis. Die Bandmitglieder sind auch in den Musik-Videos zu „Blackened Call“ und „Cathedrals of Mourning“ nur in animierter Form vertreten. Natürlich im gleichen Stil, wie sie der Finne JP Ahonen einst für seinen Webcomic schuf. Dieser ist cartoonig und – wie sollte es anders sein – in schwarz-weiß… also mehr schwarz. Dabei beweist JP Ahonen ein perfektes Gespür für Timing und treffsichere Gags. Man muss absolut kein Metalhead sein, um mit „Belzebubs“ eine Menge Spaß zu haben. Auch zieht Ahonen die Metal-Szene nicht durch den Kakao, sondern zeigt auf pointiert-überspitzte Weise, dass sich hinter der düsteren Gesichtsbemalung und dem okkult-satanischen Gehabe auch nur (fast) normale Menschen verbergen… und außerdem wissen wir nun, dass der Atem des Leibhaftigen nach Skittles riecht.

Rand der Vernunft (EDGE OF SANITY)

Nach der französischen Komödie „Happy Metal - All We Need is Love!“ (2013), dem isländischen Drama „Metalhead“ (2013) und der Splatter-Comedy „Deathgasm“ (2015) folgte 2018 das Thriller/Horror-Drama „Lords of Chaos“, welches auf wahren Begebenheiten beruht. Der schwedische Regisseurs Jonas Åkerlund beruft sich hier auf das gleichnamige Sachbuch von Michael Moynihan und Didrik Soderlind, welches sich mit der norwegischen Black Metal-Szene und im speziellen den tragischen Ereignissen um MAYHEM-Mitgründer Øystein "Euronymous" Aarseth befasst. Der selbsternannte Begründer des „wahren norwegischen Black Metals“ wurde 1993 von Kristian "Varg" Vikernes - einem einstigen Freund, Band-Kollegen und späterem Konkurrenten - ermordet, nachdem bereits zahlreiche Kirchenbrände für Aufsehen sorgten, die auf das Konto von Aarseth und seinem Gefolge gingen.

Wie man sieht, sind die Herangehensweise und der mediale Umgang mit dem Musik-Stil recht facettenreich. Sogar auf der PlayStation kehrte mit „Brütal Legend“ in der letzten Konsolen-Generation schon der Metal ein und auch im Comic-Bereich legte der deutsche Künstler Timo Wuerz mit seinem „Black Metal“ bereits ein wuchtiges und genial gezeichnetes Buch vor. Außerdem eine Sammlung seiner gemalten Plattencover, die geballt in „The Art of Metal“ vorliegen. Nun gesellt sich mit JP Ahonens „Belzebubs“ ein weiteres Mosaiksteinchen hinzu, das zeigt, wie abwechslungsreich man allein mit einem Musik-Stil experimentieren kann. Metal als Cartoon… klappt nicht? Von wegen!

Fazit (FEAR MY THOUGHTS):

Slice-of-Life trifft Metal. Wenn die satanisch angehauchte Sippe aus dem Nähkästchen plaudert und Einblicke in Band- und Familienleben gibt, bleibt kein schwarz bemaltes Auge trocken. Man muss die Musik nicht mögen um „Belzebubs“ zu lieben. Eine riesige Überraschung!

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