Batman: Hush - Bd. 1

Erschienen: Februar 2018

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Action- und spannungsreicher Klassiker. Jeph Loeb dreht an der Suspense-Schraube und führt den Leser gekonnt immer tiefer in die abwechslungsreiche und atemlose Handlung.

Zeichnung

Jim Lees Arbeit spricht für sich und in „Hush“ zeigt er, dass er mit seinem explosiven Stil im Superhelden-Genre perfekt aufgehoben ist.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
„Hush“ little Batman, don’t say a word…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2018

Persönliche Aufzeichnungen: Teil 1

„Eine gewöhnliche Nacht. Meine Stadt… Gotham… braucht mich. Wie so oft… Im Schutze der Schatten jage ich das Ungeziefer, das bei Einbruch der Dunkelheit wie ein Krebsgeschwür durch die Straßen wuchert. Man denkt, irgendwann hätte man sie alle aus ihren Löchern gezerrt… doch mein Zeichen, das den schwarzen Himmel über Gotham heller als der Mond erleuchtet, belehrt mich eines Besseren. Gotham City… Nistplatz für skrupellose Mörder, Wahnsinnige und verlorene Seelen. Zu einer dieser Spezies gehöre auch ich… und die anderen sollen vor mir erzittern. Eine gewöhnliche Nacht… doch eine sollte anders werden, als die unzähligen vor ihr.“

Persönliche Aufzeichnungen: Teil 2

„Mein Weg führte mich in den Untergrund, im Hafen von Gotham. Der zukünftige Erbe eines Chemie-Konzerns wurde entführt, das Lösegeld bezahlt. Ich musste meine Chance nutzen und den Jungen retten, bevor sein Entführer zurückkommt. Er würde keine Zeugen zurücklassen, also war Eile geboten. Das F.B.I. verschaffte mir Zeit, um die Sache auf meine Art zu lösen. Ich fand den Jungen… befreite ihn… doch ich hatte mich verschätzt. Sein Entführer kam früher als erwartet… Killer Croc.

Unser Aufeinanderprallen war kurz, aber hart, doch es sollte nicht meine härteste Erfahrung in dieser Nacht werden. Das eingetroffene Einsatzteam kümmerte sich um den rasenden Croc und ich konnte einer Spur folgen. Einer Spur, die außer mir niemand bemerkt hat. Der Koffer mit dem Lösegeld wurde während unseres Kampfes entwendet und ich sah, wer ihn gestohlen hatte… Selina. Steckte wirklich Catwoman hinter der Entführung des Jungen? Die Catwoman, von der ich dachte, dass sie sich geändert hatte? Croc konnte es nicht sein… dafür war er nicht schlau genug. Zu viele Dinge, die er hätte beachten müssen. Nein, er war nur ein Handlanger. Ich folgte Selina über die Dächer der Stadt, bis… bis aus unerklärlichen Gründen mein Seil durchtrennt wurde. Es kann nicht gerissen sein… es ist einfach nicht möglich. Da hatte jemand anderes seine Finger im Spiel. Ich war in etwas Größeres geraten, doch dies sollte momentan nicht meine größte Sorge sein. Ich fiel… fiel durch die Häuserschluchten… versuchte krampfhaft Halt zu finden um den Sturz zu bremsen. Vergeblich… meine Schulter brach und ich fiel weiter. Ich schlug auf… schwarz… alles wurde schwarz.

Ich erinnerte mich nur bruchstückhaft an meine Rettung. Zu sehr brannte mein Körper und der stechende Schmerz der zersplitterten Knochen raubte mir die Wahrnehmung. Durch Morsezeichen mit meinem Finger, dem wahrscheinlich einzig intakten Knochen, den ich noch hatte, ließ ich Alfred wissen, wer mein Leben, das am seidenen Faden hing, noch retten könnte. Thomas Elliot… Tommy… der einzige Freund, den ich während meiner Kindheit hatte.“

Persönliche Aufzeichnungen: Teil 3

„Tommy hatte es irgendwie geschafft… irgendwie geschafft, mich nicht über die Klinge springen zu lassen. Ich vertraute ihm… und wurde nicht enttäuscht. Entgegen seines Rates… wahrscheinlich entgegen des Rates jedes nur halbwegs kompetenten Arztes, konnte ich es mir nicht leisten, das Bett zu hüten. Ich musste herausfinden, wer die Fäden in diesem Spiel zieht. Wer nutzte Croc als Sündenbock und trachtete mir nach dem Leben?

Meine Gefühle für Selina ließen meine Sinne nicht unbedingt schärfer werden… sie vernebelten sie eher, denn wir kamen uns nahe… gefährlich nahe. Zudem hatte sie noch eine Rechnung mit Ivy offen, die sie manipulierte, das Lösegeld zu stehlen. Welches Ziel verfolgte sie damit? Das passte alles nicht zusammen. Irgendjemand schob uns wie Schachfiguren über ein schwarz/weißes Brett, das den Namen Gotham trug. Wer war der unsichtbare Spielleiter, der mich aus dem Schatten beobachtete und dessen näherkommenden Atem ich bereits im Nacken spürte? Ich musste es herausfinden…“

Ein Meilenstein im Bat-Universum

„Batman: Hush“ genießt den Ruf, eine der besten Batman-Storylines überhaupt zu sein. Der von Bob Kane geschaffene „Dunkle Ritter“ kann auf viele Meilensteine in seiner langen Karriere zurückblicken. Man denke nur an Frank Millers „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“, welche die Comic-Landschaft 1986 über Nacht auf links drehte und einen düsteren, erwachseneren Blick auf die oftmals knallbunte Welt der Superhelden warf. Ein abgestumpfter, vom Leben gezeichneter Batman, der sich im hohen Alter zum letzten Mal das angestaubte Cape überwirft, um seine Stadt zu beschützen. Das war neu, mutig und öffnete die Tür für weitere grandiose Abstecher auf die dunkle Seite des Superhelden-Kosmos. „Das erste Jahr“, „Das lange Halloween“, „The Killing Joke“, „Arkham Asylum“… die Liste ist lang und „Hush“ hat sich, neben all diesen bedeutenden Werken, seinen festen Platz in der Haupthalle des Batman-Museums redlich verdient.

Die von Autor Jeph Loeb erdachte Story erblickte bereits ab Dezember 2002 das Licht der Welt und erschien in den USA innerhalb der monatlich erscheinenden Batman-Heftreihe. Die gesamte Geschichte, hier auf zwei Sammelbände verteilt, fand ihren Platz in den US-Ausgaben #608-619 und ließ wirklich alles auflaufen, was im Gotham City (und Umgebung) Rang und Namen hat. Ein spannendes Verwirrspiel, in dem nichts ist, wie es zunächst scheint und sich die Puzzle-Teile langsam zusammensetzen. Der Dunkle Ritter nimmt hier außerdem die Rolle des Erzählers ein, was den Leser noch tiefer in die undurchsichtige Story zieht, die auch die Kindheit von Bruce Wayne ein wenig genauer beleuchtet. Auch knistert es hier gewaltig zwischen Batman und Catwoman, was der Geschichte auch sehr positiv ins Gewicht fällt. Die sich anbahnende Love-Story wirkt nicht aufgesetzt und verleiht „Hush“ einen weiteren interessanten Aspekt, da der Mitternachtsdetektiv durch seine Gefühle verletzlich und menschlich wirkt.

Die vielen Auftritte diverser DC-Charaktere könnten auch etwas skeptisch machen, doch entgegen aller Erwartungen geraten diese nicht zur Nummern-Revue, indem man versucht, möglichst viele bekannte und beliebte Charaktere zu servieren, sondern fügen diese sich sehr gut und wohl platziert in die Handlung ein. Ihnen wird genügend Raum gelassen und kleine Gastauftritte und Erwähnungen runden das Who-is-who der DC-All-Stars gekonnt ab.

Dream-Team

In den 80er-Jahren machte sich Jeph Loeb zunächst durch das Verfassen von Film-Drehbüchern einen Namen. Kinoerfolge wie „Teen Wolf“ mit Michael J. Fox, „Burglar – Die diebische Elster“ mit Whoopi Goldberg und der Schwarzenegger-Kracher „Phantom Kommando“ gehen auf sein Konto. Auch die Erfolgsserien „Smallville“, um die jungen Jahre von Clark Kent, der Mystery-Hit „Lost“, sowie die anfänglich vielversprechende Superhelden-Serie „Heroes“ (nach der zweiten Staffel ging es qualitativ bergab…) tragen Loebs Handschrift. Durch ein nicht realisiertes Drehbuch, das er zu einer geplanten Verfilmung zu DCs „Flash“ beisteuerte, landete er schließlich beim Comic-Riesen und brachte dort Anfang der 90er seine ersten Geschichten zu Papier. Loebs Storys schlugen ein und zusammen mit Zeichner Tim Sale veröffentlichte er eine der beliebtesten Batman-Storys überhaupt: „Das lange Halloween“. Seine zwölfteilige „Hush“-Reihe sollte DC dann in den frühen 2000ern beachtliche Erfolge bescheren.

Als Zeichner stellte man Jeph Loeb den talentierten Jim Lee zur Seite, dessen „X-Men“ #1 seit ’91 der meistverkaufte Comic in den USA ist. Der gebürtige Südkoreaner brachte die Comic-Industrie 1992 zum Beben, als er zusammen mit sechs der angesagtesten Zeichner und Stars der Branche, unter ihnen auch der „Spawn“-Schöpfer Todd McFarlane, das Handtuch bei seinem Arbeitgeber warf, um einen eigenen Verlag zu gründen. Dies war die Geburtsstunde von „Image Comics“. Die sieben Künstler setzten alles auf eine Karte und ihre Rechnung ging auf. Image verdrängte sogar kurzzeitig DC vom zweiten Platz der Comic-Giganten und kratzte an Marvels vermeintlich unantastbaren Thron

Lee, der in den späteren 90ern noch einen kurzen Abstecher zu Marvel machte, kehrte anschließend wieder zu DC zurück und wurde für „Hush“ erstmals seit langer Abstinenz wieder zeichnerisch tätig. Wer einen Blick auf seine beeindruckenden Panels wirft, wird merken, dass Lee während seiner Abwesenheit vom Zeichentisch nichts von seinem Können verlernt hat… ganz im Gegenteil. Seine kraftvollen und markanten Zeichnungen sprühen vor Detailreichtum und ausgefallene Blickwinkel lassen die Augen gebannt auf den Seiten kleben. Minimalistisch geht definitiv anders und Jim Lee zeigt mit „Hush“, dass er zu den Besten seines Fachs gehört.

Auflage um Auflage um Auflage…

…veröffentlicht Panini seit der ersten deutschen Publikation im Jahr 2004… und der Erfolg gibt ihnen Recht! „Hush“ erschien bei uns aufgeteilt auf zwei Paperbacks und liegt somit vollständig vor. 2005 erschien die Story, unter dem Namen „Batman: Die neuen Abenteuer – Hush“, als kompakter Hardcover-Band, bevor dieser nur ein Jahr später erneut in zwei Softcover-Veröffentlichungen gesplittet wurde. 2015 lieferte der Dauerbrenner den zweiteiligen Auftakt zur „DC Comics Graphic Novel Collection“ von Eaglemoss, die es als Hardcover-Sammelreihe mit durchgängigem Rückenbild auf stolze 150 Ausgaben brachte.

Der aktuellen Neuauflage spendiert Panini eine komplett überarbeitete Übersetzung und packt noch eine ordentliche Ladung Bonusmaterial obendrauf. Schon im ersten (mit einem Vorwort von Jürgen Zahn versehenen) Band bekommt man im Anhang einen Einblick in Jim Lees zeichnerisches Können. Abgerundet wird das Ganze mit einigen wissenswerten Details über die Macher. Zusätzlich zu den Paperbacks erscheinen auch zwei limitierte Hardcover-Ausgaben, die jeweils auf 666 Exemplare beschränkt sind.

Fazit:

Jedem Comic-Freund, der sich auch nur ansatzweise für den Dunklen Ritter aus Gotham City begeistern kann, sei „Batman: Hush“ wärmstens ans Herz gelegt. Man bekommt eine von Anfang an spannende Geschichte, die mit Überraschungen und haufenweise bekannten DC-Charakteren aufwartet. Freunde des „Man of Steel“ kommen ebenso auf ihre Kosten, wie Fans von Joker-Schnuckelchen Harley Quinn und so liefern Loeb und Lee bereits mit dem ersten Band einen perfekten Auftakt, der den zweiten, abschließenden Teil sehnlichst erwarten lässt.

Batman lässt, durch seine Erzähler-Funktion in bester Noir-Tradition, ungewohnt tief in sich schauen und gewährt in Rückblenden Einblicke in seine Kindheit, die dem Leser interessante Facetten offenbaren.

Auch Neulinge, die mit dem Batman-Mythos weniger vertraut sind, bekommen durch den kurzen Prolog „Die Legende von Batman: Wer er ist und wie er dazu wurde“ schnellen Zugang und sollten sich diesen modernen Klassiker nicht entgehen lassen.

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