BABY. 1
- Splitter Manga+
- Erschienen: April 2026
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Der ereignisreiche „Tag des Jüngsten Gerichts“
Mein BABY gehört zu mir…
Vor einem Jahr wurde BABY auf die Menschheit losgelassen. Klingt jetzt erstmal harmlos, aber im ersten Moment hörte sich ja auch Corona leckerer an als es letztendlich war. BABY ist dann gleich noch eine Nummer heimtückischer und, ja, auch tödlicher. Sehr… seeehr viel tödlicher. Als der Parasit Ende 2043 in Taiwan erstmals auftritt, befällt er die Population in rasender Geschwindigkeit. Befallene Personen mutieren zu aggressiven Hybriden aus Mensch und Maschine. Mit der Werkseinstellung, alles unweigerlich auszulöschen, was ihnen vor die Sensoren kommt. Damit wurde das Ende der Menschheit eingeläutet… und die Polizistin Elisa war live dabei. Bei einer Konfrontation mit einem dieser Mischwesen wurde sie infiziert. BABY nistete sich in ihrer Hand ein, verhält sich seitdem aber überraschend ruhig. Soll heißen, dass Eli keinerlei Anzeichen zeigt, selbst zur Killermaschine zu werden. Dennoch plagen sie seitdem Albträume, denn sie kann nie wissen, wann und wie BABY quasi zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle übernehmen könnte. Seitdem versucht Eli, mehr über die Mutanten, die noch immer jagend nach dem letzten menschlichen Leben durch die zerstörten Straßen ziehen, in Erfahrung zu bringen. Stets in der Hoffnung auf Heilung. Ihr einziger Begleiter ist ein plappernder Medizinroboter. DR-34, ein veraltetes Modell, steht ihr treu zur Seite und bekam von ihr den Spitznamen „Tratschtante“ verpasst.
Als die taffe Elisa in einen heftigen Kampf mit einem Mutanten gerät, von dem sie sich Forschungsfortschritte für ihr Problem erhofft, kracht sie in einen stillgelegten U-Bahn-Tunnel. Dafür, dass die Stadt als nahezu leergefegt gilt, trifft sie dort doch auf überraschend viel Aktivität. Während ihrer Keilerei hat sich nämlich ein Spezialkommando auf einen wichtigen Einsatz begeben:
Nachdem Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, wie eine Horde Mutanten scheinbar spielerisch und ohne direkten Kontakt ausgeschaltet wurde, wurden die schwerbewaffneten Soldaten des Notstandkommandos in eben jenes Hochhaus geschickt, um die Quelle dieses Angriffs zu lokalisieren. Und bei dieser Quelle handelt es sich um ein Mädchen namens Alice. Keinen Schimmer, wie das Mädchen es zustande brachte, die Mutanten zu erledigen, doch auf ihr ruht nun die letzte Hoffnung. Allerdings weigert sich Alice mitzukommen, sollte der Einsatztrupp nicht auch noch die überlebenden Menschen retten, die sich sicher in einem der Räume verschanzt haben. Da bleibt sie stur, denn schließlich ist dies dessen Job. Also: Planänderung!
Der auf dem Dach wartende Heli wird aus Platzmangel kurzerhand gesprengt. Statt per Luftweg soll es nun unterirdisch in die Zentrale des Notstandkommandos gehen. Und hier kreuzen sich die Wege der Soldaten und der von Elisa. Eine gute Kämpferin ist gerne gesehen, schließlich hängen die Verfolger im Nacken. Elisa, die ihren Parasiten vor neugierigen Blicken lieber geheim hält, sieht in Alice ihre bislang größte Chance auf Heilung. Nicht nur sie, denn womöglich liegt auf den schmalen Schultern des Mädchens die Rettung der gesamten Menschheit…
Actionreich, sexy… und in einem Punkt übers Ziel hinausgeschossen
Bis auf einige Ausnahmen bin ich nicht zwingend ein Vielleser asiatischer Comics, da ich häufig mit Tempo, Übersicht und dem (aus meiner Sicht) viel zu großem Tamtam zu kämpfen habe, der einen regelrecht durch leider oft kleinformatige Bücher peitscht. Freilich kommt es auch auf die Thematik an und da bin ich schon etwas „picky“. Außerdem fällt ins Gewicht, ob eine Reihe nicht schon zig Titel oder gar Spin-offs umfasst, denn sowas kann schnell ausarten. Irgendwie hat mich dann aber doch der Manhua „BABY.“ angesprochen. Ja, ja… das stylish-laszive Cover mag ebenfalls ein Eyecatcher gewesen sein, aber hauptsächlich machte mich die Inhaltsangabe neugierig.
Hier fühlte ich mich an „Æon Flux“, „Battle Angel Alita“ und den US-Comic „Virus“, dessen Verfilmung (1999) mit Jamie Lee Curtis, Donald Sutherland und William Baldwin ich mit der Zeit immer mehr schätzen gelernt habe, erinnert. So verhält es sich eigentlich auch, denn Chang Sheng, der „BABY.“ schon vor dem Start seiner Comic-Zeichner-Karriere konzipiert hatte, erfindet das Rad mit seiner Handlung keineswegs neu. Braucht er auch nicht, denn die Zutaten stimmen und machen neugierig auf den Fortgang der Geschichte. Seine Zeichnungen sind filigran, höchst ansprechend und gehen gerade in den explosiven Action-Sequenzen richtig nach vorne.
Seine Heldin ist äußerst sexy in Szene gesetzt, was sich jedoch auf kurviges Posieren in engen Outfits beschränkt. Gerade hier findet sich aber der Punkt, an dem ich mich unangenehm reibe. Dieses in Szene setzen beschränkt sich nicht nur auf Elisa, sondern greift auch auf die Darstellung der offensichtlich minderjährigen Alice über. Ich bin wohl einer der Letzten, dem „Prüderie“ auf der Stirn stehen würde, aber sich auf die Kuren eines Mädchens zu konzentrieren, steht in keinerlei Verhältnis. Ein Punkt, den jeder potentielle Leser mit sich selbst ausmachen muss. Nötig hat „BABY.“ dieses Zurschaustellen zu keinem Zeitpunkt, weshalb man hier eher die Intentionen des Künstlers hinterfragen sollte.
Fazit:
Ein insgesamt lohnenswertes Sci-Fi-Action-Gewitter in tollen Bildern und mit gutem Tempo. Auf drei Bände angelegt, werde ich diesen ansehnlichen Manhua aus dem noch jungen Imprint SPLITTER MANGA+ definitiv bis zum Ende verfolgen. Dank flüssiger und übersichtlicher Lesbarkeit auch Manhua-Quereinsteigern zu empfehlen.

Chang Sheng, Chang Sheng, Splitter Manga+


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