Ein bitterböser Thriller
Mathilde ist zwar alt geworden, aber längst noch nicht harmlos. Das stellt sie bei ihren Aufträgen unter Beweis. Die ehemalige Widerstandskämpferin und Geheimagentin steht weiterhin zur Verfügung, wenn mal wieder jemand „aus dem Weg geräumt“ werden soll. Präzise, effizient und ohne Skrupel geht sie vor. Doch bei einem Einsatz übertreibt sie wohl ein wenig - ausgerechnet, als sie Frankreichs größten Arbeitgeber erledigt. Ein Fehler, der nicht ohne Folgen bleiben soll – weder für ihre Auftraggeber noch für sie selbst.
Vom Roman zur Graphic Novel
Auf den Hund gekommen basiert auf einem Roman (Originaltitel: „Le serpent majuscule“) von Pierre Lemaitre, der diesen selbst für das Comicformat adaptiert hat. Eine deutsche Übersetzung der Romanvorlage ist meines Wissens noch nicht erschienen. Mit Mathilde hat er jedenfalls eine ungewöhnliche Hauptfigur geschaffen - nicht nur wegen ihres auffälligen Erscheinungsbildes. Die rüstige, ältere Dame bewegt sich zwischen Auftragsmorden, Intrigen und Verrat, sowie unaufgeregtem Alltag mit ihrem Dalmatiner. Letzter spielt eine besondere Rolle und begleitet Mathilde stets bei ihren Aufträgen. Das etwas träge und gelangweilt dreinschauende Geschöpf schafft zwischen brutalen und kompromisslosen Einsätzen Momente der Ruhe – verstärkt aber auch zugleich die tragische Dimension der Geschichte.
Lemaitre erzählt mit einer äußerst gelungenen Mischung aus schwarzem Humor und bitterer Ironie. Immer wieder wechseln sich schockierende Gewaltmomente mit trockenem, fast lakonischem Witz ab. Manchmal muss man schmunzeln – nur um kurz darauf festzustellen, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.
Gelungen ist die Verdichtung des Plots: Die Geschichte bleibt straff, ohne an Wirkung zu verlieren. Der ermittelnde Inspektor sammelt gewissenhaft Spuren, wenn er nicht bei seinem pflegebedürftigen Vater und dessen Pflegerin verweilt. Unerwartete Wendungen sorgen immer wieder für Überraschungen, Figuren entwickeln sich anders, als man zunächst vermutet – und gerade diese Unberechenbarkeit hält ebenso die Spannung und Neugierde bis zum Schluss aufrecht, wie auch unsere Sympathien für die Figuren. Durch eine unglückliche Verwechselung entstehen unvorhersehbare Verwicklungen. Und Mathildes Tage scheinen gezählt…
Die Zeichnungen und Kolorierung stammen von Dominique Monféry, der auch schon bei verschiedenen Disney-Filmen mitgewirkt hat. Er setzt die düstere, zynische Welt der Geschichte mit viel Gespür für Timing und Atmosphäre um. In dynamischer Panelstruktur wechseln stimmungsvolle Schauplätze und dramatische Szenen, der Aufbau wirkt immer wieder filmisch. Die Figuren sind prägnant gezeichnet, ihre Mimik zwischen Überzeichnung und realistischer Darstellung.
Fazit:
Auf den Hund gekommen ist eine bissige und düstere und zugleich schwarzhumorige Adaption des Romans von Pierre Lemaitre. Toll inszeniert und packend erzählt, bekomme ich große Lust auf den Roman, der den Figuren und ihrem Beziehungsgeflecht sicherlich noch mehr Tiefe verleiht und dem etwas dünnen Ende mehr Substanz.

Pierre Lemaitre, Dominique Monféry, Splitter


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