Ar-Men: Die Hölle der Höllen

Erschienen: Juni 2018

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Story
Zeichnung

Story

Lepage erzählt spannend und kurzweilig, die Rückblicke und Zeitsprünge werden geschickt miteinander verwoben.

Zeichnung

Lepage hat ein wunderbares Gespür für den Augenblick und schafft einzigartige und intensive Stimmungsmomente. Unterschiedliche Kolorierungen trennen die verschiedenen Handlungsstränge.

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André C. Schmechta
Bildgewaltig und feinfühlig - ein großartiges Werk

Comic-Rezension von André C. Schmechta Jun 2018

Leuchtend trotzt er den dunklen und bedrohlichen Wellen im Meer: Ar-Men. Leuchtturm im Atlantischen Ozean nahe der westlichen Küste der Bretagne gelegen. Erbaut an einer schwer zugänglichen Stelle. Emanuel Lepage nimmt uns mit auf eine Zeitreise und erzählt von Menschen und schicksalhaften Ereignissen an eben diesem Ort. Einer der Menschen ist Germain, der hier seinen Platz gefunden hat, doch in seinem Herzen noch immer einen tiefen Schmerz trägt...

Menschen, Schicksale und ein außergewöhnliches Bauwerk

Die Errichtung des Leuchtturms - zwischen 1867 und 1881 - sollte den Schiffs-Unglücken, die bereits zahlreiche Menschenleben gekostet haben, ein Ende bereiten. Doch die Bevölkerung an der Küste musste zunächst für dieses Vorhaben gewonnen werden. Schließlich hat sie doch in Zeiten, in denen Sturmfluten ganze Ernten vernichtet haben, eben von den Überresten dieser verunglückten Schiffe gelebt - oder besser gesagt, damit gerade noch überlebt.

Aber der mühevolle und immer wieder von Rückschlägen heimgesuchte Bau von Ar-Men ist nur ein begleitender Teil in der Erzählung von Emmanuel Lepage. Der französische Künstler verbindet die Schicksale verschiedener Menschen, die in und um Ar-Men lebten. Da ist zum Beispiel Moízez, der als Baby 1850 ein schweres Schiffsunglück vor der Küste überlebte und dabei seine Eltern verlor. Er findet in der Errichtung von Ar-Men seine Lebensaufgabe. Und er ist derjenige, der sogar eine körperliche Verbindung mit den schroffen Felsen, auf denen der Leuchtturm gebaut wird, sucht – eine berührende Sequenz mit tollem Schlussbild.

Im Mittelpunkt aber steht Germain. Er ist einer der letzten Leuchtturmwärter, bevor die vollständige Automatisierung im Jahre 1990 Menschen an diesem Ort nicht mehr erforderlich machte. Und er braucht diesen Ort wohl mehr, als jeder andere - um seinem Leben Halt zu geben, vor allem aber, um das erschütternde Ereignis der Vergangenheit zu verarbeiten.

Verlust und Trauer - Hoffnung und Zuversicht

Wie die tosenden Wellen auf der Titelseite, so bildgewaltig und dramatisch inszeniert Lepage auch weitere Teile der Geschichte. Aber er stellt diesen auch Motive mit viel Ruhe und Bedacht entgegen. Lepage hat ein wunderbares Gespür für den Augenblick und schafft einzigartige und intensive Stimmungsmomente. Seine Perspektiven spielen mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Nähe und Distanz. Unterschiedliche Kolorierungen trennen die verschiedenen Handlungsstränge.

Die detailreichen Bilder umstreift dabei häufig eine ordentliche Brise Melancholie. So sind Leere, Verlust und Einsamkeit ebenso emotionale Begleiter, wie eine tiefe nachvollziehbare Sehnsucht - nach Sinnhaftigkeit und Geborgenheit. „Ar-Men“ rutscht dabei niemals in ein allzu bedrückendes Drama ab, sondern es steckt auch immer voller Hoffnung und Zuversicht. Das zuvor erwähnte schmerzhafte Ereignis im Leben von Germain wird in intensive rote Panels getaucht. Was der Leser früh in der Geschichte befürchten musste, bewahrheitet sich.

Lepage erzählt spannend und kurzweilig, die Rückblicke und Zeitsprünge werden geschickt miteinander verwoben. Und obwohl wir unterschiedliche Persönlichkeiten in eben unterschiedlichen Zeiten kennenlernen, so scheint es, als seien sie eins, verbunden mit ihren persönlichen Schicksalen, verbunden mit Ar-Men.

Fazit:

So wuchtig die Brandung auf dem Titelbild, so feinfühlig inszeniert und so voller Zwischentöne ist jede einzelne Seite des Werkes von Emmanuel Lepage. Trotz Verlust und Schmerz, den seine Protagonisten erleiden, und bei aller Unwegsamkeit, steckt es doch auch voller Lebendigkeit.

„Ar-Men“ ist ein großartiges Werk, nicht nur zum Lesen und Schauen, sondern auch zum Fühlen und Innehalten. Denn wenn nach dem ganz in schwarz und weiß gehaltenen Epilog das Buch schließlich zugeklappt ist, wird dem Leser ein wenig wehmütig ums Herz und er verweilt in Gedanken noch ein wenig an der Küste der Bretagne, beim Rauschen des Meeres und den Erinnerungen an ein Bauwerk, das Menschen und Schicksale über lange Zeiten verbunden hat.

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