Angel - Band Eins: Mensch sein

Angel - Band Eins: Mensch sein
Angel - Band Eins: Mensch sein

Erschienen: Februar 2021

Erschienen: Februar 2021

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Alles auf Anfang: Autor Bryan Edward Hill verpasst Joss Whedons Vampir mit Seele einen finsteren Neustart. Dabei werden die Ursprünge nicht komplett auf den Kopf gestellt, sondern zeitgemäß interpretiert.

Zeichnung

Gleb Melnikovs stylishe Zeichnungen sind für mich das Highlight des ersten Bandes. Modern, düster und ein schönes Spiel mit Licht und Schatten.

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Marcel Scharrenbroich
Kommt ein Engel gefallen

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2021

Verflucht und verdammt

Vergesst den romantischen Verführer. Das unsterbliche Geschöpf der Nacht, das sanft an Hälsen knabbert und das ewige Leben mit einem warmen Schluck frischgezapften Blutes besiegelt. Vergesst auch die reißende Bestie. Jene Kreatur, die im Schutze der Nacht gnadenlos ihre Beute jagt, nur um ihren unstillbaren Blutdurst wenigstens für die Zeit des geschwärzten Himmels unter Kontrolle zu halten versucht. Zur zweiten Gattung gehörte einst auch Angel… doch dies war ein anderes Leben. Diesem wurde ein jähes Ende gesetzt, als ein Fluch ihm seine Seele zurückgab. Seitdem streift der Vampir durch die Jahrhunderte. Geplagt von seinem Gewissen, welches ihn immer wieder an die grausamen Taten der Vergangenheit erinnert. Büßend und gepeinigt hat sich Angel im Los Angeles der heutigen Zeit niedergelassen. Voller Selbsthass und Schuldgefühlen. Was er auch tut, die Erinnerungen an seine blutigen Taten sind seine ständigen Begleiter. Sie lassen sich nicht ungeschehen machen, was seine unsterbliche Seele tiefschwarz gefärbt hat. Nachts geht er auf die Jagd. In den dunklen Gassen, die sich durch die Stadt der Engel schlängeln. Stets bemüht, Gutes zu tun. Stets bemüht, Menschenleben zu retten. Stets bemüht…

Dass Angel nicht jeden Menschen retten kann, zeigt sich auf tragische Weise, als er mit seinem Schützling Helen auf Patrouille durch die Stadt ist. Er trainiert das Mädchen. Zeigt ihr, wie man sich gegen die düsteren Kreaturen, die nach Einbruch der Dunkelheit aus den Löchern gekrochen kommen, verteidigt. Helen stand eines dieser Monster bereits Auge in Auge gegenüber. Als die Bestie ihren Vater tötete. Und auch in dieser Nacht wird sie wieder mit einer Ausgeburt der Hölle konfrontiert. Und zwar mit dem Biest, das Jagd auf obdachlose Mädchen macht und diese verstümmelt zurücklässt. Einsame und verlorene Seelen, die diese Stadt schon längst verspeist und wieder ausgespuckt hat. Seelen, die niemand vermisst. Die Okkultistin Fee-Fee gab Angel den nötigen Hinweis, um die Gefahr aufzuspüren. Dazu noch eine Warnung, dem Monstrum nicht in die Augen zu schauen. Eine Warnung, die für Helen zu spät kommt. Vor den Augen von Angel lässt sie ihr Leben. Ein weiterer Tiefschlag für den eh schon gefallenen Engel…

Social-Media kills!

Noch desillusionierter als zuvor, beschließt Angel, L.A. den Rücken zu kehren. Obendrein schwört er sich, von nun an ausschließlich alleine zu arbeiten. Zauberin Fee-Fee rät ihm, es mal im „beschaulichen“ Städtchen Sunnydale zu versuchen… falls er an der vollen Ladung Schmerz interessiert sei. Diesen Rat befolgt der Vampir auch und besucht dort seinen alten Freund Francis, den der beseelte Blutsauger als Kind rettete. Das freudige Wiedersehen währt allerdings nicht lange, denn Francis Tochter fackelt in der Nacht wie in Trance das ganze Haus ab… inklusive der gesamten Familie.

Ausschlaggebend dafür ist ein Dämon, welcher sich die moderne Technik zu Nutze macht. Seit Ewigkeiten ernährt er sich von Angst, Neid und Eitelkeit. Verborgen in Skulpturen und Gemälden, ist er nun im digitalen Zeitalter angekommen. Er hat es dort auf die schwachen, leicht beeinflussbaren abgesehen. Schmiert seinen Opfern Honig ums Maul, manipuliert sie und nutzt sie für seine Zwecke. Schon bald hat Angel mit der jungen Frau Winifred erneut jemanden in seiner Obhut, der dringend auf seine Hilfe angewiesen ist.

Der Jäger jagt wieder

„Mensch sein“ ist nicht der erste Comic-Auftritt des einst beliebten TV-Blutsaugers, welcher aus Joss Whedons „Buffy“-Universum entsprungen ist. Zwischen 1998 und 2001 veröffentlichte der CARLSEN Verlag Comics zum Serien Hit „Buffy - Im Bann der Dämonen“. Der 22. Ausgabe (von insgesamt 30) lag das Heft „Angel“ Nr. 0 bei, welches den Startschuss zur eigenen Heft-Reihe markierte. Bis Mitte 2001 erschienen noch 8 reguläre Ausgaben, die parallel zur Schwestern-Serie herausgebracht wurden. Danach übernahm PANINI das Ruder und legte 2010 mit „Angel: Smile Time - Angriff der Mörderpuppen!“ die Comic-Adaption zu einer der beliebtesten Episoden der TV-Serie vor. „Smile Time“ war die 14. Episode der fünften und letzten „Angel“-Staffel und ließ den Vampir mit den Puppen der Jim Henson-Schmiede kollidieren. Ähnlich wie bei „Buffy - Im Bann der Dämonen“ (7 Staffeln wurden zwischen 1997 und 2003 produziert; Deutsche Erstausstrahlung ab Herbst 1998), wurde „Angel - Jäger der Finsternis“ (Produziert zwischen 1999 und 2004; Deutsche Erstausstrahlung ab Anfang 2001) anschließend in Comic-Form fortgeführt. Während die 8. „Buffy“-Staffel aktuell in Deluxe-Hardcover-Bänden neu aufgelegt wird, erschienen zwischen Anfang 2009 und Ende 2012 acht „Angel“-Sammelbände, die zusammen die 6. Staffel bilden. Dazwischen, Ende 2010 und im Sommer 2012, erschienen noch die Einzelbände „Angel: Nur ein Mensch - Die Illyria und Gunn Story!“ sowie „Angel & Illyria - Heimsuchungen“. Ebenso wie „Smile Time“, sind die beiden letztgenannten Einzelbände auch unter der Überschrift „Angel präsentiert“ erschienen, unter die ebenfalls zwei Solo-Bände des Vampir-Kollegen „Spike“ fallen. 2013 stand dann im Zeichen von „Angel & Faith“. Von dem Duo Vampir und Jägerin erschienen insgesamt drei Bände.

Anfang 2019 hat der US-Publisher BOOM! STUDIOS ein Reboot von „Buffy“ auf den Weg gebracht, welches hierzulande ebenfalls von PANINI vertrieben wird. Bislang sind drei Sammelbände erschienen, die inhaltlich die ersten zwölf US-Hefte beinhalten. Somit steht der dritte Band schon komplett im Zeichen des „Hellmouth“-Crossovers, welches allerdings nicht von den Stuttgartern publiziert wird, sondern von DANI BOOKS kommen soll. So, wie der komplette „Angel“-Neustart, der mit dem vorliegenden Comic „Mensch sein“ schon mal einen hervorragenden ersten Eindruck hinterlässt. Im Sommer soll es voraussichtlich mit „Angel“ weitergehen und „Hellmouth“ sollte dann auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Vielleicht sollte man sich den dritten „Buffy“-Band bis dahin aufsparen, um ein möglichst flüssiges und komplettes Leseerlebnis zu bekommen. Nach dem „Hellmouth“-Event wurde die „Angel“-Reihe in den USA übrigens (beginnend mit Heft #9) in „Angel + Spike“ umbenannt, was laut Jano Rohleder, dem Macher hinter DANI BOOKS, bei den kommenden deutschen Veröffentlichungen nicht der Fall sein soll.

Wer’s tragen kann…

Noch ein paar Worte zum frischen Gewand des Vampir-Neustarts. Die modernen Zeichnungen von Gleb Melnikov („Batman“, „Wonder Woman“, „Detective Comics“, „Jinny Hex“) haben mich persönlich komplett abgeholt. Trotz recht kantiger Illustrationen sind die düsteren Bilder sehr dynamisch und versprühen die passende Atmosphäre. Sowohl in den Rückblenden auf Angels lasterhafte Jahre als auch im heutigen Los Angeles/Sunnydale-Setting, sind die Farben von Gabriel Cassata und Roman Titov perfekt gewählt. Eine gelungene Mischung aus grell-modern und klassisch-blass.

Nach der umfangreichen Cover-Galerie, die Variant-Motive der enthaltenen US-Einzelhefte zeigt, gibt es noch die Kurzgeschichte „Frenemies“ von Jordie Bellaire und den Zeichnern Dan Mora und Serg Acuña. Diese fällt zwar künstlerisch etwas ab, zeigt uns dafür aber eine uns wohl bekannte Jägerin in Aktion.

Neben der regulären Softcover-Ausgabe gibt es noch ein limitiertes Hardcover von "Angel - Band Eins: Mensch sein", welches direkt bei DANI BOOKS bezogen werden kann. Diese Variante ist auf 99 Exemplare limitiert. Wie bei allen Veröffentlichungen, erhalten Käufer auch eine kostenlose Digital Copy im PDF-Format dazu.

Fazit:

„Angel – Band Eins: Mensch sein“ bietet alles, was man von einem Comic-Reboot erwarten kann. Vorwissen ist praktisch nicht notwendig und man kann sich völlig unvorbereitet in die düstere Story stürzen. Gepaart mit dem parallellaufenden „Buffy“-Reboot entweder ein guter Einstieg für Neulinge, oder ein feiner Nostalgie-Trip an den Anfang des Jahrtausends in einem ansprechend-frischen Anstrich.

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