Alfred Hitchcock - 1. Der Mann aus London

Erschienen: Dezember 2020

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Filmfreunde, die gerne hinter die Kulissen blicken, werden bestens bedient. Eine von Autoren-Seite großzügig ausgeschmückte Biografie, die die ersten vierzig Jahre im Leben eines der größten Regie-Genies beleuchtet. Freuen wir uns auf die nächsten Vierzig!

Zeichnung

Selten war ich so unschlüssig, was die optische Präsentation angeht. Aber es war bislang auch selten, dass ein Zeichner qualitativ derart hin und her schwankt. Ein großes Plus für den klassisch angehauchten Schwarz-Weiß-Look.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Unter den Dächern von Cannes

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2021

„Der Weltmeister“ (UK; 1927)

Mit „Cocktail für eine Leiche“ (1948), „Bei Anruf Mord“ (1954) und „Das Fenster zum Hof“ (1954) längst auch außerhalb seiner Heimat als gefeierter Regisseur bekannt, hatte Alfred Hitchcock (1899 – 1980) noch einige seiner besten und berühmtesten Werke vor sich, als er 1954 während der Dreharbeiten zu „Über den Dächern von Nizza“ über sein bewegtes Leben plaudert. Seine Gesprächspartner unter der Sonne der Côte d’Azur sind die umwerfende Grace Kelly und der britisch-amerikanische Schauspieler Cary Grant, dessen Charme selbst heute kaum ein Darsteller erreicht. Sie spielen die Hauptrollen in Hitchcocks aktuellstem Streifen. Abseits der Dreharbeiten sind diese Unterhaltungen auch der rote Faden, der sich durch den ersten Band der zweiteiligen Graphic Novel zieht. Mit Grant drehte der Regisseur zuvor bereits die Filme „Verdacht“ (1941) und „Berüchtigt“ (1946). Man ist sich also bereits vertraut, weshalb Hitch auch unverblümt in Erinnerungen schwelgt…

„Jung und unschuldig“ (UK; 1937)

Der junge Alfred wuchs in seiner englischen Heimat recht einsam auf. Allerdings war es eine selbstauferlegte Einsamkeit. Zu gleichaltrigen Kindern hatte er kaum Kontakt. Höchstens im katholischen Saint Ignatius College, wo er sich dafür recht wacker schlug. Wohl auch aus Angst vor Prügelstrafen der strengen Einrichtungsleitung. Ängste waren generell ständige Begleiter des Jungen. Als seine Eltern während Alfreds Mittagsschlaf in den Park gingen, dachte er, dass sie ihn verlassen hätten. So flüchtete sich der auch später noch als Genussmensch bekannte Bub ins Essen. Mutterseelenallein. „Mutter“ ist übrigens ein guter Punkt, auf den wir im nächsten Absatz noch etwas genauer eingehen. Selbst als Alfred schon Abendkurse in der Universität besuchte, plagte ihn die Angst. Angst, dass die deutschen Bomben des Ersten Weltkriegs im Elternhaus einschlagen könnten. Zu dieser Zeit war er schon fasziniert von brutalen Zeitungsberichten über Mord und Totschlag in allen Facetten. Eine offensichtlich lebenslange Faszination, die sich in seinen Werken nicht von der Hand weisen lässt. Und auch das Kino hatte eine magische Anziehungskraft auf ihn.

1920 erfuhr Hitch von der Eröffnung einer britischen Zweigstelle der amerikanischen Famous Player-Lasky Corporation (noch heute als Paramount bekannt) im Londoner Stadtteil Islington. Mit zeichnerischem Talent gesegnet, stellte der beleibte junge Mann sich dort vor. Er wurde eingestellt. Dort zeichnete er Zwischenbilder und war nicht selten in Dekoration und Kostümdesign involviert. Außerdem lernte er dort seine große Liebe kennen: Alma Reville (1899 – 1982)

„Sabotage“ (UK; 1936)

Thema „Mutter“: Nach dem Tod ihres Gatten verfiel Emma Jane Whelan (1863–1942) in eine tiefe Depression. Der frühe Verlust des Vaters schweißte Alfred und seine Mutter noch enger zusammen, was generell eine gute Sache sein kann… allerdings nicht, wenn daraus eine gegenseitige Abhängigkeit wird. Hitch war Hals über Kopf in Alma verliebt, die im Filmschnitt arbeitete und bei verschiedenen Drehbüchern assistierte. Er tat sich allerdings schwer damit, ihr diese Liebe zu gestehen. Mutter war daran wohl nicht ganz unschuldig, denn sie impfte ihm ein, dass ein Mann sich nicht mit einer ihm gesellschaftlich überlegenen Frau einlassen dürfe. Also war Hitchs Ehrgeiz geweckt und er wollte so schnell wie möglich die Karriereleiter erklimmen.

Das gelang dem Workaholic recht eindrucksvoll und er arbeitete sich zum Drehbuchautor und Regisseur hoch, nachdem er zuvor noch bei der Fertigstellung von diversen Filmen assistierte. Seine Arbeit führte ihn Mitte der 20er-Jahre schließlich nach Deutschland, wo er sich Techniken beim Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888 – 1931; „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“, „Der letzte Mann“) abschaute. In Deutschland drehte Hitchcock auch seinen ersten Film, „Irrgarten der Leidenschaft“ (1925), der ebenso wie sein zweites Werk, der in Österreich gedrehte „Der Bergadler“ (1926), vorerst nur einem deutschen Kinopublikum zugänglich gemacht wurde. Dennoch hatte der aufstrebende Filmemacher sein selbst gestecktes Ziel erreicht: Er war nun Regisseur… und konnte endlich seine Alma ehelichen. Damit tat er es auch seiner Mutter recht, schwamm sich aber gleichzeitig frei. Ob es dann das Mutter/Sohn-Verhältnis war, dass Hitch regelrecht besessen von der Adaption von Robert Blochs Roman „Psycho“ machte, darf augenzwinkernd angenommen werden. Gepasst hätte es zu Hitchcock, der es liebte, seinen Schauspielern und der Crew Streiche zu spielen. Häufig sehr makabrer Natur. Jedenfalls nahm die Karriere nach der britischen Produktion „Der Mieter“ (1926) richtig an Fahrt auf. Im Thriller-Genre hatte er seine Heimat gefunden. Seine Wohlfühl-Zone. Trotzdem drehte er in den Folgejahren quer durch alle Genres alles weg, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Und so stieg er zum bestbezahlten Regisseur des Königreichs auf.

„Bis aufs Messer“ (UK; 1931)

Hitch versuchte später, dem Theater-Korsett zu entfliehen. Er wollte keine Bühnenstücke oder Romane mehr verfilmen und im Akkord Auftragsarbeiten runterkurbeln. Die eigenen düsteren Stoffe sollten es werden. Und falls das Drehbuch nicht aus seiner Feder stammte, sollte der Film wenigstens seine Handschrift tragen. Eine unverkennbare Handschrift, wohlgemerkt. Wiederkehrende Motive wurden ebenso ein Markenzeichen, wie die Cameo-Auftritte von Alfred Hitchcock. Die Zuschauer warteten in den Filmen nur darauf, die markante Erscheinung zu entdecken.

„Alfred Hitchcock - 1. Der Mann aus London“ wurde vom französischen Regisseur, Drehbuchautor und Filmhistoriker Noël Simsolo geschrieben. Der auf historische Comics abonnierte Szenarist holt dabei so weit aus, dass zu Beginn des Bandes ein Haftungsausschluss vermerkt ist, der uns informiert, dass Simsolo hier und da etwas Kreativität hat einfließen lassen, was das Lesevergnügen allerdings nicht schmälert. Es sollte lediglich nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden. In seiner Erzählweise springt der Autor kreuz und quer durch die ersten vierzig Lebensjahre des Master of Suspense. Eingebettet in die Rahmenhandlung der Dreharbeiten in Cannes, begleiten wir Alfred somit durch Höhen und Tiefen seiner immer steiler werdenden Karriere. Und das, obwohl im ersten Band nur die britischen Produktionen seines Œuvres behandelt werden. Der vom SPLITTER Verlag noch nicht genau terminierte Abschlussband, „Der Meister des Suspense“, wird sich dann der Schaffensphase in den Staaten widmen, wohin Hitchcock mit seiner Frau Alma und der gemeinsamen Tochter Patricia kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aufbrach, um reichlich Thrill nach Hollywood zu bringen.

Der erfahrene Comic-Zeichner Dominique Hé geht dabei künstlerisch so vor, dass wir uns auf jeder Seite an klassische Schwarz-Weiß-Filme erinnert fühlen. Mit klaren Linien und ohne große Experimente bleibt die zeitlich umherspringende Handlung optisch sehr übersichtlich, was durchaus positiv zu bewerten ist. Qualitativ schwanken die Bilder zwischen „okay“, „könnte besser sein“ und „extrem gelungen“. Nur selten wird es „gruselig“, wenn eine Mimik-Entgleisung zu sehr aus der Reihe tanzt. In vielen Panels sind die namhaften Charaktere aus der Filmbranche wirklich gut getroffen… nur leider nicht durchgängig.

Fazit:

Als Filmfan und großer Freund von Alfred Hitchcocks Werken, die schon in den 30er-Jahren mit „Die 39 Stufen“ und „Sabotage“ unglaublich dicht und packend erzählt waren, konnte ich mich blendend mit „dem Mann aus London“ unterhalten. Auch wenn viele Fakten dramaturgisch verändert und so manche Details hinzugedichtet wurden, sind der Blick hinter die Kulissen der Filmindustrie und auf die menschliche Seite des Meisterregisseurs – trotz gelegentlicher künstlerischer Entgleisung – schwer interessant geraten. Fast so, als würde man voyeuristisch einen Blick in dessen Privatleben werfen… durch ein Loch in der Wand… vom Nebenzimmer aus… während die Dusche läuft… *EEEK!*, *EEEK!*, *EEEK!*

Alfred Hitchcock - 1. Der Mann aus London

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