Text:   Zeichner: Tyler Boss

4 Kids Walk into a Bank

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Marcel Scharrenbroich
9101

Comic-Couch Rezension vonApr 2026

Story

Jap, damit haben Comic-Freunde definitiv eine gute, haarsträubende Heist-Zeit.

Zeichnung

Tolle Bilder von Tyler Boss, der seinen ganz eigenen, unverkennbaren Stil hat. In perfekter Harmonie zur Story und nie over-the-top.

Kriminelle Energie in Kinderschuhen

A Game of Generations

Glaubt man Aussagen von nicht unerheblichen Teilen der sogenannten Generation Z, hat sie es so schwer, wie vor ihr keine. Da ich allein bei dieser Behauptung nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll, piksen wir mal etwas weiter in den empfindlichen Nerv (welchen man medial wohl eh schon bis kurz vorm Reißen angespannt hat): Man lebe nicht, um zu arbeiten, sondern MUSS arbeiten, um zu leben. JA, denn liebgewonnener Luxus fällt nicht vom Himmel. Mit einem goldenen Löffel im Maul lassen sich aber große Töne spucken, denn Fünf-Tage-Wochen mit acht Stunden Arbeitszeit pro Tag werden hier und da mal gerne als „unmenschlich“ angeprangert. Langzeit-Studenten und Jung-Politiker, die ihre Zwanziger bereits hinter sich haben, aber dennoch ein erstaunliches Maß an mangelnder Lebenserfahrung an den Tag legen, werden dies bestätigen können. Vielleicht nicht gewollt, aber dafür muss man sich lediglich im Netz oder in diversen TV-Formaten umhören. Und da rede ich nicht von der Tattoo-, Silikon- und Minus-IQ-Beschau bei den Privaten oder Streamern. Dass diese Generation noch immer an den Folgeschäden einer gewissen Pandemie knabbert, die ihr ja „das Leben gestohlen“ habe, weise ich rein aus Erfahrungsgründen zurück, denn soweit ich mich an diese triste, unbequeme Zeit erinnern kann, saßen wir da alle im selben Boot. Meine Tante im Pflegeheim könnte ein Liedchen davon singen, hätte sie uns nicht zwischenzeitlich verlassen. Nun möchte ich aber kein reines Generationen-Bashing betreiben (zu spät, was?), denn dieses nach unten treten auf jüngere Jahrgänge ist so alt, wie Generationen-Bezeichnungen selbst. Baby-Boomer, Generation X, Millennials… all diese kamen vor der Gen Z und werden bis heute nicht müde, gegeneinander auszuteilen. Und ich freue mich, einen kleinen Beitrag beizusteuern, denn Sprüche wie „man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit“ oder das vielsagende „OK, Boomer!“ (was in meinem Fall allein schon zeitlich falsch wäre) sind noch das netteste Echo auf Kritik. Die verstrahlten Social-Media-Kommentare, dass bei jedem nationalen oder internationalen Todesfall eine gewisse „Bratwurst“ eine Rolle gespielt hat, stammen übrigens hauptsächlich aus Richtung meiner Generation, und den in Scheiße getretenen Schuh ziehe ich mir auch nicht an. Das Einzige, was solchen Leuten eingeimpft wurde, ist die Spalterei… und davon eine ordentliche Überdosierung. Man darf aber auch nicht jeden blöden Spruch auf die Goldwaage legen und sollte lernen, den Jammerlappen mal gefaltet über dem Stuhl hängen zu lassen, während man sich den Stock aus dem Arsch zieht. Schließlich mag es niemand, über einen Kamm geschert zu werden und möchte individuell betrachtet werden… natürlich über alle Altersklassen hinweg.

Da das ganze Generationen-Gedöns mittlerweile mit der Generation Alpha wieder von vorne losgeht - und der Blick ins Alphabet verheißt, dass da noch so Einiges folgen könnte -, hat die (ja… manchmal auch zu Unrecht) gescholtene Gen Z mittlerweile ihren eigenen Punching-Ball erhalten. Und genau um diese heranwachsende Generation dreht sich „4 Kids Walk into a Bank“ von Autor Matthew Rosenberg und Zeichner Tyler Boss. Fast schon erwartungsgemäß (aber offen!) fremdelte ich zuerst etwas mit den Hauptcharakteren, wurde aber nach und nach (siehe da!) mit ihnen warm. Da soll noch mal jemand sagen, man wäre auf seine gutgehaltenen Mid-Ager-Tage nicht mehr belehrbar! Verdammte Boomer…

Dilemma, Dilemma…

So, da hätten wir also den großgewachsenen Stretch, den nicht auf den Mund gefallene Berger, Angsthase Walter und an vorderster Front Paige, die auf Grund ihres angeborenen Konfrontationskurses immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Sie eint, dass sie allesamt zwischen elf und zwölf Jahre alt sind und gerne mal zur Zielscheibe der hiesigen Mobber werden. Wer Wissenschaftskurse belegt, ins Bett pinkelt, eine Kippa trägt oder sich nicht kommentarlos jedem Spott unterwirft, hat wohl automatisch ein Fadenkreuz auf der Stirn. Als Paiges Dad aber mit Besuch aus der Vergangenheit konfrontiert wird, müssen die leidenschaftlichen „Dungeons & Dragons“-Spieler allerdings in der realen Welt über sich hinauswachsen.

Eine frisch in der Stadt aufgeschlagene Gang aus Skinheads und Kleinkriminellen, die in ihrer Skrupellosigkeit nur noch von ihrer eigenen Blödheit übertroffen werden, wollen den alleinerziehenden Vater für einen Raubzug rekrutieren. Ein erstes unsanftes Aufeinandertreffen konnte er dank eines geladenen Gewehrs noch abkürzen, doch die Ex-Häftlinge lassen nicht locker. Unterschwellig bedrohen sie Paige und ihre Freunde, was den Vater einknicken lässt. Seine einzige Achilles-Verse. Sein einziger wunder Punkt. Seine einzige Tochter.

Es dauert etwas, doch nach einigem Hin und Herr vertraut ihr Dad Paige an, dass er bereits in der Vergangenheit mit den schrägen Typen abhing. Ein längst vergessenes Kapitel aus anderen, kriminelleren Zeiten. Paige beschleicht der nicht unabwegige Verdacht, dass ihr Vater nun erneut auf die schiefe Bahn gerät, was auch erhebliche Folgen für sie haben würde. Um ihn vor dem drohenden Knast zu bewahren, fasst sie einen haarsträubenden Plan: Was wäre, wenn jemand die geplante Bank VOR den eigentlichen Dieben ausrauben würde? Eine passende Crew hätte sie schließlich schon beisammen. Doch was auf dem Papier recht einfach klingt, entpuppt sich schnell als überaus gefährliches Unterfangen. Und was passiert, wenn vier Kinder ohne kriminelle Erfahrung mit Überfall-Absichten in eine gut gesicherte Bank latschen? Garantiert nicht viel Gutes… Und da hilft es erst recht nichts, dass ausgerechnet Paiges Onkel ein Cop ist.

Wer ist hier der „Boss“?

Kann man sich kriminelle Energie aneignen? Paige und ihre Freunde tun jedenfalls ihr Bestes… und das geht nicht immer gut. Zudem stehen sie unter Zeitdruck, was das konkrete Planen zu einem Harakiri-Kommando werden lässt. Und der Clique dabei über die Schulter zu schauen, macht unheimlich viel Spaß. Gespickt mit schwarzem Humor und tragisch/dramatischen Momenten, hat Autor Matthew Rosenberg hier eine Mini-Serie (erschien zwischen 2016 und 2017 zuerst in fünf Einzelheften beim US-Indie-Publisher BLACK MASK STUDIOS) ersponnen, die weit über einen humorvollen Crime-Plot hinausgeht. Es ist eine Geschichte über Außenseiter, Verantwortung und über das Aufwachsen unter widrigen Verhältnissen. Aber vor allem ist es eine Story über Freundschaft. Und diesen Aspekt hat Rosenberg ganz wunderbar herausgearbeitet.

So gut, dass auch Hollywood angebissen hat. Noch im Sommer 2026 soll eine Verfilmung das Licht der Welt erblicken. Unter der Führung von Regie-Neuling Frankie Shaw, die man hauptsächlich als Darstellerin aus Serien wie „Mr. Robot“ und „SMILF“ kennen könnte, bringen die Amazon MGM Studios den Streifen unter ihrem Label Orion Pictures raus. Zugkräftig mit Liam Neeson („Schindlers Liste“, „Rob Roy“, „The Grey“, „96 Hours“) als Paiges Vater Danny besetzt, setzen die Macher ansonsten hauptsächlich auf die Youngsters, die schließlich Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind. Allen voran die aktuell dreiundzwanzigjährige Talia Ryder („Niemals Selten Manchmal Immer“, „Der erste Blick, der letzte Kuss und alles dazwischen“, „West Side Story“, „Do Revenge“) in der Rolle von Paige. Dies zeigt bereits, dass die Kids in der Verfilmung deutlich älter als in der Comic-Vorlage sein werden. Wohl vor allem dadurch erklärbar, dass die angepeilte Zielgruppe kaum elf- bis zwölfjährige Kinder sein sollen. Nicht erklärbar ist hingegen, warum aus der Figur Walter eine junge Frau gemacht wurde. Obwohl… es ist Hollywood, was wunder ich mich überhaupt?

Walter ist im Comic aber eine meiner Lieblingsfiguren geworden. Der sichtlich verschüchterte Junge mit offensichtlich tiefersitzenden Problemen entpuppt sich als echter Scene-Stealer. Witzig ist das Detail, dass seine Schüchternheit dadurch unterstrichen wird, dass seine Texte in den Sprechblasen extrem klein gedruckt wurden. Warum ahne ich nur, dass im filmischen Pendant der Figur nicht mehr viel von ihrem Wesen übrig sein wird? Generell ist die künstlerische Umsetzung sehr experimentell. Das zieht sich nicht nur durch alle verschiedenen Cover-Varianten, die wir dank SKINLESS CROW - wahlweise als Soft- oder Hardcover-Variante - in einer angehängten, umfangreichen Galerie mit sogar zahlreichen Kinoplakat-Hommagen präsentiert bekommen, sondern durch das durchgängige Artwork von Tyler Boss, welches mir hier noch besser gefällt, als in der ebenfalls starken Reihe „What's The Furthest Place From Here?“, ebenfalls aus der Feder Rosenbergs. Die Farben knallen, die Perspektiven sind abwechslungsreich und auch die Panel-Anordnung stimmt sich hervorragend mit dem Tempo der Geschichte ab. Dafür, und die Menge an kreativen Cover-Ideen, gibt es eine glatte 10.

Fazit:

Ein Genre-Kleinod par excellence. Schwante mir erst so ein Generationen-Ding vor, bei dem ich wie ein Idiot vor einer geöffneten Tür stehe, den Weg aber nicht hindurch finde, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Mit Witz, Charme und einer gehörigen Portion Rotzigkeit hat die Generatio Alpha mir gezeigt, dass sie durchaus tatkräftig handeln kann. Über das Ergebnis und den moralischen Aspekt lässt sich streiten, nicht aber über den guten Willen.

4 Kids Walk into a Bank

Matthew Rosenberg, Tyler Boss, Skinless Crow

4 Kids Walk into a Bank

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