2ZKB, Feder & Wecker 01

Erschienen: Juli 2019

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Eine humorvolle, entspannte "Dramedy" mit zaghafter Liebesgeschichte.

Zeichnung

Eine gute Abwechslung aus realistischen und Gag-Bildern, der Hintergrund bleibt jedoch oft leer.

Leser-Wertung

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Julia Beckers
Wenn aus Mitbewohnerinnen mehr wird…

Comic-Rezension von Julia Beckers Sep 2019

"Mein Lebensplan bröckelt an allen Ecken und Enden."

Wohngemeinschaften sind bei uns total normal, besonders wenn man Single, Student, unter 35 oder alles zusammen ist. Dass das Konzept einer WG in Japan allerdings nicht so etabliert ist, insbesondere wenn es sich nicht um eine "Zweckgemeinschaft" handelt, ist der Aufhänger für "2ZKB, Feder & Wecker".

Nanami ist eine 25-jährige Karrierefrau, die von ihren Kollegen für ihren Fleiß und ihre Disziplin bewundert wird. Sie selbst fühlt sich in der Arbeitswelt allerdings oft hoffnungslos verloren. Und zuhause scheint schon das nächste Problem auf sie zu warten: ihre Mitbewohnerin Kaede, eine 25-jährige professionelle Manga-Zeichnerin, die auf ihre erste offizielle Veröffentlichung in einem Manga-Magazin hinarbeitet - wenn sie nicht gerade stattdessen lieber faulenzt.

Was auf den ersten Blick danach aussieht, als würde sich Nanami von der recht kindlich wirkenden Kaede ausnutzen lassen, stellt sich beim genaueren Hinsehen als ziemlich perfekte Symbiose heraus: auch wenn sich Nanami ständig über das kopflose Verhalten ihrer Mitbewohnerin beschwert, liebt sie es doch, für Kaede da sein zu können. Für sie stehen die beiden in einem familiären Verhältnis zueinander, romantisch ist daran nichts. Sagt Nanami zumindest immer wieder.

Die Wende kommt, als Nanami im ersten Kapitel von ihrem Verlobten verlassen wird. Gewissenhaft hat sie ihn jeden Abend angerufen und sich meistens das ganze Gespräch über ihre Mitbewohnerin beklagt. Als er ihr mitteilt, dass er glaubt, dass sie ihn eigentlich gar nicht heiraten möchte und ja sowieso auch lesbisch sei, streitet Nanami beides vehement ab. Ganz überzeugt wirkt sie davon aber selbst nicht.

Nach dem Gespräch ist sie aufgewühlt und wäre am liebsten allein, doch Kaede schafft es bereits nach kurzer Zeit, sie wieder aufzumuntern. Nanami kommt nach und nach ins Grübeln…

"Man muss sich sein Leben Stück für Stück aufbauen."

Es folgen lose zusammenhängende Episoden aus dem Berufsleben und dem gemeinsamen Alltag der Frauen und wir nähern uns langsam der Frage, was Nanami eigentlich möchte.

Die Autorin Yayoi Ohsawa schafft eine angenehme Balance aus lustigen, kleinen Alltagsmomenten und dem komplizierten Innenleben von Nanami. Es braucht nicht immer eine große Geste, um zu erkennen, wie dankbar man für einen lieben Menschen in seinem Leben ist. Manchmal reicht es, wenn die Mitbewohnerin für einen die Kakerlake vernichtet.

Als bekennender Fan von Mangas, in denen dem scheinbar langweiligen Alltag etwas Besonderes, fast schon Magisches, verliehen wird, hat mir der erste Band von "2ZKB, Feder & Wecker" gut gefallen.

Auch wenn Nanami die Heldin der Geschichte ist und wir durch ihre Augen wahrnehmen, was passiert, kommt auch die Entwicklung von Kaede nicht zu kurz. Es zeichnet sich bereits eine interessante Storyline ab, die sich um ihre Mangaka-Karriere dreht und auf die ich mich in den folgenden Bänden freue. Weitere Nebencharaktere werden von Ohsawa sparsam und sorgfältig eingeführt, sodass es abwechslungsreiche Momente gibt, ohne dass der Fokus verrutscht. Das Herzstück des Mangas ist die Beziehung zwischen Nanami und Kaede und ihre unterschiedlichen Lebensweisen sorgen für viele Lacher.

In Ohsawas Stil findet sich die oben erwähnte Balance durch eine schön anzusehende Mischung aus realistischeren Zeichnungen und klassischen Gag-Manga-Bildern wieder. Nanami und Kaede (und alle weiteren Frauen, die auftreten) sind absolute Schönheiten, da sind ihre karikativ gezeichneten Gefühlsausbrüche eine tolle Auflockerung. Auch wie Nanamis herunterspielende Gedanken mit ihrem Verhalten kontrastieren, ist toll verwendetes Stilmittel: so kann sich Nanami noch so oft sagen, dass es zwischen ihr und Kaede nicht knistert, die Bilder, die Ohsawa zeichnet, sprechen bewusst eine andere Sprache.

"Ich lebe mit dir zusammen, weil ich bei dir sein will."

Die Serie wird aus insgesamt 8 Bänden bestehen (in Japan ist sie bereits abgeschlossen), Schlag auf Schlag wird es bei der Entwicklung einer romantischen Beziehung demnach nicht zugehen. Gerade wer also bei dem Genre-Aufdruck "Girls Love 16+" hinten auf dem Buch direkt an erotische Titel denkt, wird hier wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Im Japanischen unterscheidet man innerhalb des Genres über gleichgeschlechtliche Liebe meistens mithilfe von Sub-Kategorien noch zwischen erotischem, explizitem Inhalt und Geschichten, bei denen die Charaktere und ihre Gefühle im Vordergrund stehen. Diese Unterscheidung wird leider bei deutschen Veröffentlichungen nicht gemacht, es wird nur mit den Begriffen "Girls Love" und "Boys Love" gearbeitet. Darunter wird dann alles, von unschuldigen Liebesgeschichten in der High School bis zu pornographisch anmutenden Smut (die strenge Zensur in Japan verhindert, dass es allzu wild wird) herausgegeben. Das finde ich schade, weil es den ohnehin oft schon für Neulinge recht komplexen Manga-Markt noch komplizierter macht. Gerade ein so frischer Verlag wie Altraverse, den es erst seit 2017 gibt und der mit einem sehr sorgsam durchdachten Programm eine wundervolle Bereicherung für die deutsche Manga-Szene ist, hätte die Möglichkeit gehabt, die Vermarktung mal anders zu versuchen.

Es ist der Übersetzung hoch anzurechnen, dass sie versucht haben, den provinziellen Dialekt, den Nanami im japanischen Original immer dann spricht, wenn sie aus der Haut fährt oder ihr Schutzschild ablegt , ins Deutsche zu übertragen. Leider fand ich die Umsetzung oft recht holprig und übertrieben, sodass es auf mich eher lächerlich gewirkt hat und den Fluss der Geschichte stocken ließ. Ob so eine lustige Leseweise auch die Intention von Yayoi Ohsawa war, die am Ende des Bandes noch interessanterweise den Prozess der Dialektverwendung im Original erklärt, ist nicht ganz klar. Eine etwas weniger aggressive Umsetzung des sprachlichen Doppellebens von Nanami hätte mich sicherlich seltener aus der Story fallen lassen.

Fazit:

Wer Freude an "Slice of Life"-Geschichten hat und entspannte Lese-Erlebnisse genießt, ist mit "2ZKB, Feder & Wecker" bestens bedient. Der erste Band lässt sich ausgiebig Zeit, die Charaktere und ihre Motivationen einzuführen und hat es geschafft, mir das ungleiche Paar Nanami und Kaede ans Herz zu legen.

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