Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Dicht erzählt und atmosphärisch insze-niert. Trotz hoher Komplexität gerät die Geschichte nicht in Gefahr, ihre Leser auf halbem Wege zu verlieren. Ein spannen-der und ungeschönter Blick auf einen realen Mordfall.

Zeichnung

Zeitgemäße, aufgeräumte Zeichnungen, die durch warme Pastellfarben und Schat-tierungen an Tiefe gewinnen. Ähnliche Charaktere erschweren ein wenig den Lesefluss.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Sündenpfuhl Los Angeles

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2018

Der Fall von Eis und Feuer

Im sündigen Los Angeles der 40er Jahre ermittelt der LAPD-Officer Dwight „Bucky“ Bleichert zusammen mit seinem Partner, Sergeant Leland „Lee“ Blanchard, im legendären Fall der „Schwarzen Dahlie“. Ein wahrer Fall, der seinerzeit für viel Aufsehen sorgte und seine Bezeichnung durch das bestialisch zugerichtete Opfer – eine junge Frau namens Elizabeth Short – bekam, die wegen ihrer ansehnlichen, meist schwarz gekleideten Erscheinung als „Black Dahlia“ bekannt war. Die beiden Zivilfahnder, die bereits gegeneinander als Amateur-Boxer „Ice“ und „Fire“ im Ring standen, bevor sich durch die gemeinsame Polizeiarbeit eine feste Freundschaft entwickelte, geraten schon bald in eine Spirale aus Sex, Gewalt und Korruption, während die Ermittlung für sie immer mehr zur Obsession wird.

Zudem ist da auch noch Kay, Lees hübsche Freundin, zu der Bucky sich hingezogen fühlt und die schmale Grenze zwischen Freundschaft und Liebschaft auslotet. Dies hindert ihn jedoch nicht daran, eine Affäre mit der attraktiven Madeleine Sprague einzugehen, die eine gravierende Ähnlichkeit zum zerstückelten Mordopfer aufweist. Für Bucky wird es ein Tanz auf dem Vulkan, steht er doch emotional zwischen den Stühlen – besser gesagt zwischen der Freundin seines besten Freundes und Partners und der aus reichem Hause stammenden „Doppelgängerin“ von Elizabeth Short – und hält zudem noch Ermittlungsergebnisse vor seinen Vorgesetzten zurück. Auch sein Partner bereitet ihm große Sorgen… wird dieser doch durch seinen übermäßigen Medikamentenkonsum zunehmend unberechenbarer. Als Lee plötzlich von der Bildfläche verschwindet und über die Landesgrenze nach Tijuana abtaucht, ahnt Bucky Böses, denn ein frisch entlassener Häftling, der noch eine Rechnung mit Lee offen hat, ist ebenfalls dorthin unterwegs. Bleichert folgt seinem Freund, ohne jedoch den Fall aus den Augen zu verlieren… zu sehr steckt er schon im Bann der „Schwarzen Dahlie“. Und da ist ja auch noch die Sache mit den beiden Frauen…

Vom Mord zum Buch, zum Film, zum Comic

Der Mord an der 1924 in Boston, Massachusetts geborenen Elizabeth Short wurde bis heute nicht aufgeklärt und zählt zu den berühmtesten Verbrechen der Stadt der Engel, Los Angeles. Die Leiche der damals 22-jährigen wurde auf einer Wiese gefunden und durch die massiven Verstümmelungen wurde bereits zum Zeitpunkt der Ermittlungen eine Beziehungstat vermutet. Trotzdem kam es nie zur Festnahme - beziehungsweise Überführung - eines Täters.

1987 nahm sich der amerikanische Autor James Ellroy des Falles an und schrieb den Hardboiled-Bestseller „The Black Dahlia“, der ihm als kommerziellen Krimi-Autor den internationalen Durchbruch bescherte, obwohl er bereits zuvor schon einige weniger beachtete Werke zu Papier brachte, darunter auch die dreiteilige Lloyd-Hopkins-Reihe. „Dahlia“ sollte der Auftakt zu einer neuen Reihe werden, des sogenannten L.A.-Quartetts. Bis 1992 erschienen noch „Blutschatten“, „Stadt der Teufel“ und „White Jazz“. „Stadt der Teufel“, welches den Originaltitel „L.A. Confidential“ trägt, wurde unter diesem Namen auch 1997 von Regisseur Curtis Hanson verfilmt.

Das prominent besetzte Film Noir-Meisterwerk überzeugte sowohl Kritiker, als auch Zuschauer und war das Erfolgs-Sprungbrett für die noch recht unbeschriebenen Darsteller Russell Crowe und Guy Pearce. Zu Hochform lief auch die zu diesem Zeitpunkt schon fast abgeschriebene Kim Basinger auf. Für ihre Darstellung der lasziven Lynn Bracken wurde die hübsche Schauspielerin mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Ein weiterer Goldjunge folgte für das beste adaptierte Drehbuch. Mehr war für den neunfach nominierten Großstadt-Thriller nicht zu holen im „Titanic“-Jahr. Cameron, DiCaprio, Winslet und ein Eisberg waren eine Schiffslänge voraus.

Eine weitere Verfilmung eines Ellroy-Romans war nach dem Erfolg nur eine Frage der Zeit. Allerdings sollte es sich bis 2006 ziehen, bis auch „The Black Dahlia“ der Sprung auf die große Leinwand gelang. In der Adaption von Alt-Meister Brian De Palma schlüpfen Josh Hartnett und Aaron Eckhart in die Rollen des Ermittler-Duos, während die attraktive Mia Kirshner betörend die namensgebende „Black Dahlia“ verkörpert. Zum weiteren Ensemble zählen Kaliber wie Scarlett Johansson und Hilary Swank. Trotz des Star-Aufgebots und der realistischen Ausstattung hielt sich der kommerzielle Erfolg in Grenzen. Obwohl „The Black Dahlia“ bei weitem kein schlechter Film ist, musste er sich damals an der weitaus erfolgreicheren Ellroy-Adaption „L.A. Confidential“ messen lassen… und natürlich auch an der gedruckten Bestseller-Vorlage.

Weitere neun Jahre sollten vergehen, bevor „The Black Dahlia“ Einzug in ein neues Medium halten konnte. 2015 veröffentlichte der Schreiber & Leser Verlag die Roman-Adaption als eindrucksvolle Graphic Novel, die im hauseigenen „Noir“-Imprint auch hervorragend aufgehoben ist.

Hollywoodland

Der in der Normandie geborene Alexis Nolent, der auch erfolgreich Skripts für Videospiele schreibt, ist in der Comic-Landschaft eher unter seinem Künstlernamen „Matz“ bekannt. Neben der erfolgreichen Reihe „Der Killer“, die ihm 1998 den internationalen Durchbruch bescherte, arbeitete der Szenerist auch mit Hollywood-Urgestein und Action-Spezialist Walter Hill an den Comics „Querschläger“ und „Tomboy“. Zweiter wurde bereits mit Michelle Rodriguez verfilmt, ist bisher jedoch nicht in Deutschland erschienen. Auch Matz‘ „Du plomb dans la tête“ – auch bekannt als „Headshot“, oder „Blei im Schädel“, wie die Reihe bei uns heißt – wurde bereits mit Sylvester Stallone als „Shootout – Keine Gnade“ auf Film gebannt. Für die Comics „Cyclops“ und den eben erwähnten „Killer“ gab es ähnliche Planungen, die aber verworfen wurden. Als Regisseur war sogar der Thriller-Experte David Fincher („Sieben“, „Zodiac“, „Gone Girl“) im Gespräch, mit dem sich Matz nach dem geplatzten Film-Deal aber erfreulicherweise doch noch zusammentat. Der „Fight Club“-Regisseur unterstützte ihn tatkräftig bei der vorlagentreuen Umsetzung von James Ellroys Erfolgsroman, was der Inszenierung der komplexen Geschichte durchaus zugutekommt. Die verschachtelte Handlung im sündigen Hollywood der 40er Jahre wird gekonnt präsentiert, ohne sich in erzählerische Sackgassen zu verrennen. Nicht umsonst lobte der Autor höchstpersönlich die Arbeit der beteiligten Künstler, die es geschafft haben, sein dicht gewobenes Erzähl-Konstrukt in einen ansehnlichen und atmosphärischen Comic-Roman zu verwandeln.

Den passenden Anstrich verpasste der amerikanische Zeichner Miles Hyman der „Schwarzen Dahlie“. Hyman, der an der Pariser Kunst-Akademie studierte und die Stadt der Liebe auch als Inspirationsquelle für seine Arbeiten bezeichnet, reduziert bei seiner Darstellung die Dynamik und kommt somit der Zeit, in der die Geschichte spielt, optisch erstaunlich nah. Unübersichtliche Hektik mit schnellen Strichen hätte die ohnehin schon komplexe Geschichte unnötig belastet. So verbleibt ein aufgeräumter Look, der aber nicht an Details spart und durch reichlich gesetzte Schatten an Tiefe gewinnt. Warme und stimmige Pastelltöne verschlucken die Vorzeichnungen nicht und bereichern die Atmosphäre. Einzig bei den Charakteren hatte ich meine Schwierigkeiten, da sie sich einfach zu wenig voneinander unterscheiden und oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, welche der zahlreichen Figuren denn nun gerade im Vordergrund agiert. Hier wären deutlichere charakteristische Merkmale wünschenswert gewesen.

Fazit:

Die Comic-Variante der „Schwarzen Dahlie“ ist für Noir-Freunde und Liebhaber der Roman-Vorlage gleichermaßen empfehlenswert. Die komplexe Handlung um einen verzwickten Mordfall und der ungetrübten Blick auf den abgründigen American Way of Life der 40er werden ansprechend in Szene gesetzt. Man merkt, dass bei der Umsetzung mit Matz und David Fincher zwei Experten auf ihrem Gebiet an der Arbeit waren. Ein dicht-düsteres Crime-Drama, das der Schreiber & Leser Verlag für Genre-Freunde als ansprechendes und hochwertiges Hardcover anbietet. Viel Spaß in der (Alb)traum-Fabrik von Hollywoodland!

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